Es war einmal … so beginnen Märchen wie das vom hässlichen Entlein, das sich in einen wundervollen Schwan verwandelt. Dieser Vergleich hinkt hier allerdings, denn die Basis für dieses Projekt war eine originale Softail Deluxe, bekanntermaßen schon im Auslieferungszustand eine der schönsten Harleys überhaupt.

Besitzerin Tanja fährt seit siebzehn Jahren Motorrad, fünfzehn davon auf diversen Harleys. Geweckt wurde diese Leidenschaft, als sie vor siebzehn Jahren Volker kennenlernte. Der war damals auf einer 1994er Softail Custom unterwegs. Die beiden wurden ein Paar und Tanja machte kurz darauf den Motorradführerschein, weil sie nach anfänglichen Ausfahrten als Sozia so bald wie möglich eine eigene Maschine haben wollte.

Beim Lack hat sich Pfeili einmal mehr selbst übertroffen, Omas Gardinentrick inklusive

Ihr erstes Motorrad war eine Suzuki LS 650, die von Volker komplett umgebaut wurde. Als die auf den Namen „Harley-Luja“ getaufte Suzuki mal zickte, weil der Vergaser Faxen machte, ergab es sich, dass Tanja plötzlich allein mit Volkers Softail in der Prärie stand, da Volker die Suzuki einen Berg hochmanöverierte.

Harley-Davidson Softail Deluxe

Tanja nahm all ihren Mut zusammen, sprach der Softail gut zu und dachte sich: So anders wird die auch nicht fahren. Von da an nahm das Unheil seinen Lauf. Immer öfter „lieh“ sich Tanja in der Folge die Softail für eine Spritztour aus und es kam, was kommen musste. Tanja wollte auch eine Harley. Die Wahl fiel damals auf eine relativ seriennahe Sportster 1200 Custom. Diese fuhr Tanja eine Saison, und die ganze Zeit machte sie sich Gedanken, was denn alles verändert werden sollte.

Die überbordend verzierte Trittbrettanlage stammt von Altmeister Eddie Trotta

Im Winter folgte dann ein aufwendiger Umbau. Irgendwann ergab es sich, dass Volker seine Softail verkaufte, um sich eine Night Rod Special zu gönnen. Tanja war angefixt und kurzerhand wurde auch die Sporty gegen eine Street Rod getauscht. Allerdings siegte nach kurzer Zeit die Vernunft – Tanja war ständig in der Nähe der Schallmauer unterwegs – und die Street Rod wurde gegen eine Road King Classic getauscht. Diese fuhr Tanja dann sieben Jahre. Nach einer Babypause stellte Tanja jedoch fest, dass ihr die Road King zu schwer und unhandlich war. Deshalb wurde 2014 eine Softail Deluxe angeschafft.

Deluxe Motorcycles

Nach rund zwanzig Jahren im Freizeitbereich haben die beiden Harley-Fans dann 2015 beschlossen, ihr Hobby zum Beruf zu machen. So wurde Deluxe Motorcycles gegründet. Eigentlich hatte die Hausherrin ja nur den Wunsch nach einer anderen Auspuffanlage geäußert. Und das wäre auch so gekommen, hätte der Erbauer nicht die verhängnisvolle Frage gestellt, welcher es den werden soll.

„So was will ich, aber in schön!“ meinte Tanja und legte los

Noch existierte die Chance, den Umbau in Grenzen zu halten. Doch Ehemann Volker hatte eine Idee im Kopf und sah hier nun die Gelegenheit, diese zu verwirklichen. Er wollte Tanjas Softail im Chicano-Stil aufbauen. Glücklicherweise war zu diesem Zeitpunkt gerade ein Special über Chicano-Bikes in der DREAM-MACHINES, so konnte sich Tanja einen Überblick verschaffen. Nach kurzer Bedenkzeit war ihr Wunsch klar: „So was will ich, aber in schön!“

So was will ich, aber in schön

Der Rest ist Geschichte. Die zukünftige Besitzerin wollte so viel wie möglich selbst an ihrer Softail arbeiten. Die Deluxe wurde bis auf den Rahmen komplett zerlegt. Der Tank wurde umgestaltet, neue Fender mussten her. Den Frontfender konnte Klockwerks liefern, bloß für hinten wollte den Niederbayern keines der am Markt erhältlichen Kaufteile gefallen. Also wurde der Heckfender in Eigenregie erstellt.

Es war einmal … so beginnen Märchen wie das vom hässlichen Entlein, das sich in einen wundervollen Schwan verwandelt

Die originale Schwinge wurde gegen eine verchromte ausgetauscht. Auch die Serienräder fanden keine Gnade vor den Augen der Umbauer. Man hatte Big-Spoke-Felgen von TTS im Sinn, auf die Weißwandreifen aufgezogen werden sollten. Und da man vorn einen 21-Zöller geplant hatte, wurde man ausschließlich bei Avon fündig. Die Hinterradfelge wurde von TTS extra für diese Maschine angefertigt.

Die Softail wurde komplett umgestaltet

Die Gabel wurde mit Ness-Teilen verfeinert. Die Verzögerung übernehmen jetzt Vielkolben-Bremszangen von Performance Machine. Das passende Abgassystem fand man bei KessTech. Fishtail-Schalldämpfer sind kombiniert mit einer Samson-Cross-over-Anlage. Die Halter dafür wurden angefertigt und anschließend verchromt.

Immer öfter lieh sich die Suzuki-Fahrerin die Harley für eine Spritztour aus

Beim Lenker konnte Volker sich allerdings nicht gegen seine Frau durchsetzen. Er wollte eigentlich einen Apehanger verbauen, um den Chicano-Stil komplett umzusetzen. Schlussendlich wurde es dann eine gemäßigtere Variante von Wild One. Für das anspruchsvolle Lackkleid wurde man bei Pfeil Design vorstellig. Mit einem Koffer voller Skizzen und Ideen fuhr das Pärchen nach Ried, wo es in einem langen Gespräch mit Marcus klärte, worauf es ankam.

Es hagelt Preise für die Softail

Der Sattel wurde modifiziert und von Z-Interiors neu bezogen. Kurzerhand wurden für die Trittbretter noch Schutzbezüge angefertigt um die hochglanzverchromten Teile nicht unnötig zu beschädigen. Der Öltankstopfen wurde von Hells Kitchen Oldschool Parts zugeliefert, jedoch anschließend noch mit einer Gedenkmünze zur mexikanischen Revolution verfeinert.

Egal, wo diese Softail auftaucht, heimst sie Pokale ein

Unzählige Stunden später folgte dann die Fertigstellung und „The rise of the mexican“ war geboren. Belohnt wurde die Arbeit von Tanja und Volker Gegenfurtner durch Preise unter anderem auf der CUSTOMBIKE-SHOW in Bad Salzuflen, der Swiss-Custom  in Zürich, auf den Hamburg Harley Days oder beim Harley-Treffen in Pullman City. Chapeau!

 

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