Wenn dich das Schicksal von deiner heiß geliebten Honda trennt, nimm die Versicherungssumme und baue damit eine Harley“. Als Basis diente eine wunderschöne Harley-Davidson mit Shovelhead von 1972. 

So jedenfalls dachte sich das der Finne Mikko Kautto. Als wir ihn das letzte Mal trafen, nannte er noch einen schicken Honda 500 Cafe Racer sein Eigen. „Eine Harley kommt mir nicht ins Haus“, tönte er damals. Umso verwunderter standen wir jetzt vor seinem neuen Projekt, und das hatte unzweifelhaft einen Shovelhead an Bord! Was war passiert?

Diese Shovel, seine erste Harley überhaupt, erwarb Mikko als halbfertiges Umbauprojekt. Alles so weit gut, aber beim Kürzen der Gabel schoss er deutlich über das Ziel hinaus. Das Ergebnis: Null Positiv-Federweg vorne

„Mir hat’s meine Honda zerlegt. Böser Crash – da war nichts mehr zu machen. Die Versicherung wollte nur den Listenpreis für eine alte Serien-Honda zahlen, so was von lächerlich. Ich hab mich quer gestellt und einen Sachverständigen hinzugezogen, der klargestellt hat, das meine Honda ein Custombike mit vielen Spezialteilen war. Schließlich hat die Versicherung nachgegeben und mir ein nettes Sümmchen ausbezahlt.“

Harley-Davidson Shovelhead

Aber eine Harley? Woher auf einmal der Sinneswandel? „Na ja, letztendlich hat auch die Versicherungssumme bei der Entscheidung für eine Harley nachgeholfen.“ Der 42-jährige Grafiker und Lehrer an einer Multimediaschule windet sich ein wenig: „Bei meiner Honda konnte ich mich austoben, aber vor einem Harley-Umbau hatte ich immer Respekt, da muss man gewisse Regeln beachten, sonst sieht es nicht gut aus.“

Der aufgesetze, eckige Benzintank stammt von einem Zündapp-Moped

Trotzdem haben die beiden Bikes einige Gemeinsamkeiten – das geringe Gewicht, das racerartige Feeling, Kopf und Hände weit nach vorn gerichtet, das Farbschema in Schwarz-Gold und gebürstetem, poliertem Alu. „Eigentlich die klassischen Bobber-Regeln, nur neu zusammengestrickt.“

Jede Menge Geschichten

Jede Menge weiterer Details fallen auf, etwa der Tank einer Zündapp aus den Siebzigern, eine Münze des ehemaligen finni-schen Präsidenten Urho Kekkonen auf der vorderen Bremszange und eine Plakette der Anonymen Alkoholiker auf dem Lenkkopflager. „Ich bin zwar kein Alkoholiker, aber irgendwie erhole ich mich ständig von irgendwelchen Geschichten. Deshalb passt sie so gut. Und die Kekkonen-Münze stammt aus meinem Geburtsjahr.“

Sehr stylisch verrippter Ölfilterhalter

Und was wünscht sich Mikko für die Zukunft? „Das nächste Projekt wird eine minimalistische Honda CB 750. Ansonsten würde ich gerne Putin und Trump zusammen mit ihren Atomraketen auf den Mond schießen.“ Er hat das etwas anders ausgedrückt, aber wir lassen das mal so stehen. Kippis. Prost.

 

 

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