Die linke Spur ist normalerweise schnellen Fahrzeugen und Sportbikes vorbehalten, neuerdings auch Harley-Baggern, die von AMS Chopper Design stammen. Die bauten jüngst einen Tourer für die Überholspur auf Basis einer Harley-Davidson Road King. Gemächlich geht jedenfalls anders.

Der Kunde von AMS-Inhaber Marc Schostek wollte ein Custombike, mit dem er jeden Tag fahren und gleichzeitig verdammt viel Spaß haben kann. Also präsentierte Marc dem Kunden eine Idee, die schon lange in seinem Kopf herumgeisterte: Eine Road King mit reichlich Power und krasser Optik. Zunächst fragte der Kunde, welche Sorte Drogen Marc genommen habe, doch schon am nächsten Nachmittag nahm das Projekt konkrete Formen an.

AMS-Boss Marc Schostek überzeugte seinen Kunden von der Idee mit dem Kompressor-Kit

Um aus dem 103er Twin Cam ausreichend Leistung herauszuholen, bekam das Triebwerk einen Kompressor angeflanscht, der zusammen mit einem großen Ladeluftkühler für ausreichend Power sorgt. Der Lader-Kit kam direkt aus den USA, und bevor das Bike zerlegt wurde, wurde der Kompressor montiert und auf dem Dynojet-Prüfstand von Dennis Junge in Pinneberg abgestimmt. Irgendwann funktionierte alles perfekt. Mit gut 135 PS drückt die Road King bei 0,6 Bar Ladedruck die gewünschte Leistung an das Hinterrad. Das ist mit Sicherheit ausreichend, kann aber bei Bedarf über eine Ladedruckerhöhung auch noch locker gepusht werden. Derzeit ist die Leistungsabstimmung aber auf Alltagstauglichkeit und Haltbarkeit ausgerichtet.

Harley-Davidson Road King

Mit den modifizierten Kess-Auspuffen lässt sich der Sound des Bikes auf Knopfdruck ändern, was von den Nachbarn des Besitzers unter Garantie sehr positiv aufgenommen wurde. Zudem wurde die Kupplung durch ein Power-Lock-System an die Leistung angepasst und justiert, um auch sportliche Ampelstarts problemlos wegstecken zu können. Nachdem das Triebwerk lief, ging es daran, auch optisch aus dem Bike einen Überflieger zu machen.

Eine 11-Grad-Gabelbrücke sorgt für vernünftige Fahrbarkeit

Große Vorderräder gehören ja inzwischen zum guten Ton und so entschied man sich für eine 11-Grad-Gabelbrücke und ein 26-Zoll-Rad, das den idealen Kompromiss zwischen spektakulärer Optik und vernünftiger Fahrbarkeit darstellt. Zum Einsatz kommen vorn und hinten Räder von Performance Machine, die blau eloxiert und poliert wurden. Da an ein Powerbike auch anständige Bremsen gehören, fiel die Wahl auf Powerbrake-Bremssättel und einen Satz 16-Zoll-Scheiben, die bei Performance Machine passend zu dem Raddesign hergestellt und anschließend beschichtet wurden.

Airride getrennt steuerbar

Und da nicht jeder das Rad neu erfinden muss, griff Erbauer Marc auf einen Heckfender mit Koffern von Thunderbike zurück, die er aber nach seinen Vorstellungen modifizierte und an das Bike anpasste. Auch die Basis des Airride-Fahrwerks stammt aus Hamminkeln, sie wurde aber so abgeändert, dass man das vordere und hintere Airride getrennt ansteuern kann.

Passt sonst nicht an eine Harley, aber hier schon: sportiver Bugspoiler

Um dem eigenen Anspruch zu genügen, sollten die originalen Harley-Instrumente unbedingt weichen. Das ist nicht leicht in der Durchführung, denn moderne Harleys sind alle über die CAN-Bus-Technik verkabelt und die nimmt bekanntlich jegliche Modifikation an ihrem System sehr übel.

Eingelassene LED-Streifen als All-in-one-Heckleuchten, eingefasste Auspuffenden, unten abgeschrägte Koffer

Doch in Berlin wurde Marc fündig, die Jungs von motogadget konnten ein Instrument liefern, das alle Parameter in nur einer Uhr zeigt und CAN-Bus-verträglich ist. Auch wurden die Lenkkopfverkleidung und die Rahmencover modifiziert, um den cleanen Look des Bikes zu unterstreichen. Und selbstredend verschwanden alle Kabel im Ness-Lenker.

Road King im Nascar-Style

Bezüglich des Lacks wurde Danny vom Schrammwerk kontaktiert, der erst gar nicht begeistert von dem angedachten Nascar-Racing-Style und der Farbwahl war. Doch nach ersten Skizzen freundete er sich mit der Idee an und zauberte – wie so oft – ein cooles Design auf die Blech- und Kunststoffteile des Bikes. Den Sitz fertigte „Alles Leder“, einige Parts von Performance Machine vervollständigen den optischen Auftritt des Bikes. Achtung Nordlichter: Macht besser die linke Spur frei, wenn dieses Bike in eurem Rückspiegel auftaucht!

Kontakt | www.ams-chopper.de