Didier Zellweger aus dem St. Galler Rheintal erzählt im Nachfolgenden, wie sein straighter Harley-Davidson Panhead Bobber entstand.

Während des Umbaus füllte sich die Werkstatt mit allerlei Maschinen

In Sachen Bike Building bin ich absoluter Amateur. Gelernt habe ich mal Elektromonteur, bin jetzt aber seit bald zehn Jahren anderweitig tätig. Zu Mopedzeiten hatte ich keinen Dunst von Motorrad und Technik, ich war einer der wenigen, die ihr Mofa nicht frisiert haben.

Pinup-Girl und Embleme sind gemalt, nicht gebrusht

Mit 18 folgte dann eine 125er Aprilia RS, später dann eine 1986er Suzuki GSX-R 750. An der Suzuki schraubte ich die überflüssige Verschalung ab, als Frontmaske wurde eine Roller-Front verbaut, das ganze Kawa-Racing-Grün lackiert, Auspuff ausgehöhlt – und fertig war der Pseudo-Streetfighter.

Vom Crosser zum Schrauber

Dann fing ich an Motocross zu fahren. Durch die ständige Schrauberei und Instandhaltung am Crosser lernte ich, wie man ein Bike auseinander- und wieder zusammenschraubt. Schon früh faszinierten mich auch alte Motorräder.

Spartanisch: Eine Kuhhaut auf der passend geformten Stahlplatte reicht als Sitz

Der Wunsch wuchs, einen Oldtimer zu besitzen. Starrrahmen war ein Muss, Kick-only war ebenfalls gefordert, denn E-starten kann ja jeder. Als letztes Attribut stand eine Springer- oder Girdergabel auf dem Wunschzettel.

Ein Flat- oder Knucklehead wäre schon was Feines. Die Panhead-Motoren konnten mich nicht so begeistern. Ich suchte also und suchte, fuhr diverse Händler und Mechanikerbuden an, durchforstete das Internet, doch fand ich nichts Passendes.

Harley-Davidson Panhead Bobber

Nach vier Jahren Suche erzählte mir ein Motorradmechaniker, er kenne jemanden, der eine 52er Panhead verkaufe. Ich setzte mich sofort mit dem Verkäufer in Verbindung. Doch die Besichtigung brachte Ernüchterung. Da stand eine ziemlich veränderte, nach meinem Geschmack völlig hässlich umgebaute Panhead.

Rahmen, Papiere und Jahrgang waren einwandfrei

Jedoch: Sie hatte den gewünschten Starrrahmen, und der Jahrgang und die Papiere waren einwandfrei. Kurz überlegt, den Preis verhandelt und schon war das Bike gekauft. Bevor ich überhaupt einen Meter mit dem Motorrad fuhr, wurden die ersten Teile abgeschraubt oder geflext.

Der Tank und der Heckfender wanderten zum Lackierer, einige Chromteile schwarz gespritzt, schon sah das Ganze besser aus. So konnte ich den Sommer durchfahren, bis ich das eigentliche Projekt in Angriff nahm.2

Schrauberzeit

Im Spätherbst war dann Schrauberzeit. Zusammen mit meinem Freund Matthias Sonderegger zerlegte ich das Bike komplett. Eine vage Vorstellung, wie das Bike am Schluss aussehen sollte, war vorhanden, doch wurden die Pläne während des Zusammenbaus fortwährend geändert. Das Endprodukt entspricht nur noch am Rande dem Bild, das ich am Anfang im Kopf hatte.

Der Tacho am hinteren Zylinderkopf muss als Instrument genügen

Der Rahmen wurde sandgestrahlt und dann mit Flex und Feile in Form gebracht. Da das Bike beim Kauf eine Telegabel hatte, wurde eine Springer-Gabel geordert. Den zugehörigen Lenker konnte ich bei einem alten Schrauber erstehen.

Mit Flex und Hammer

Bei der Dimensionierung der Räder habe ich auf die Originalgrößen 3 x 16” gesetzt. Der Tank, ein Mustang Narrow, stammt aus dem Katalog. Den Sattel schnitten wir aus einem Stück Blech heraus und bogen dieses zurecht; im Anschluss überzog Sattler Fränz Koller aus Buechen den Sitz mit einer Kuhhaut. Der Heckfender war ein Rohling von Triumph, den wir mit Flex und Spenglerhammer in die gewünschte Größe und Form brachten.

Fußkupplung und Handschaltung verlangen Erfahrung und Gefühl

Diverse Kleinteile wie die Vorderradachse, Distanzbuchsen, Sissybar, Nummernschildhalter etc. wurden in Eigenproduktion hergestellt. Für die Umsetzung dieses Projektes habe ich mir eigens eine Drehbank, eine Fräsmaschine und eine Standbohrmaschine angeschafft.

Diese Maschinen kosteten zwar fast soviel wie das Bike, doch dafür verfügen wir jetzt über eine gut eingerichtete Werkstatt und ich erlernte noch nebenbei die Grundzüge des Drehens und Fräsens. Bei den Ölleitungen konnte mein Onkel Hampi helfen. Der ist Sanitär- und Heizungsfachmann und bog uns die Leitungen aus Kupferrohr, die dem Thema Old School viel gerechter werden, als schnöde Gummischläuche.

Harley-Davidson Panhead Bobber mit Fishtail

Bei der Auspuffanlage mussten Zugeständnisse gemacht werden. Die vorhandene 2-in-2-Anlage hatte zwar einen guten Sound, gefiel mir aber nicht sonderlich. Ein Fishtail-Endrohr sollte es sein. Montiert am Bike macht der zwar eine gute Figur, nur leider lässt der Sound zu wünschen übrig. Es heißt nicht umsonst: „Fish-tail … looks good, sounds shitty“.

Das Thema „Bobber“ ist bestens getroffen

In der Endphase des Aufbaus wurde es Zeit, sich über die Farbgebung Gedanken zu machen. Rahmen und Gabel sollten in klassischem Glanzschwarz erstrahlen, Tank und Heckfender sollten jedoch herausstechen. Ich entschied mich für Grau Matt. Im zweiten Anlauf hat das dann auch geklappt, beim ersten Mal hat der Lackierer zu tief in ein violettes (!) Farbfass geschaut.

Tätowierer Peter von P!nk verschönerte schließlich das Blech noch per Pinsel. Er malte den schwarzen Mittelstreifen, die weißen Filets und die Embleme links und rechts auf den Tank. Zu guter Letzt kam noch ein Pinup-Girl alter Schule auf die Tankoberseite.

 

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