Zu wenig Leistung? Die Harley-Davidson Dyna Low Rider „S“ setzte da 2016 gewaltig eins drauf …

Ich will das Gemotze gleich am Anfang bringen, dann haben wir es hinter uns. Die Harley-Davidson Low Rider S in ihrem schwarzen Dark-Custom-Outfit ist stimmig gemacht, doch die Ideen dazu hatten vor einem halben Jahrzehnt schon andere.

Der Motor ist gaaanz großes V2-Kino

SOA lässt grüßen

Die Optik der Harley-Davidson Low Rider S ist dermaßen eindeutig bei den Bikes der erfolgreichen Rocker-Soap „Sons of Anarchy“ abgekupfert, dass sich die Design-Abteilung in Milwaukee fragen lassen muss, worin eigentlich ihre eigene gestalterische Leistung besteht. Die vielen in Schwarz getauchten Teile, das kupierte Heck, die stilbildende Lampenmaske, der konische Heavy-Breather-Luftfilter – all das gab es schon vor zig Jahren in der Custom-Szene, bei der Firma SOA konnte man solch ein Bike als Normalo ordern (siehe Foto).

Bild aus dem Jahr 2012: SOA-Bike

Deshalb gibt’s von uns für die Disziplinen Innovation und eigene Designleistung nur ein „schwach ausreichend“. Macht aber nix, denn das ganze martialische Dunkel-Gedöns ist gar nicht das Wichtigste an der Low Rider S. Das Highlight ist vielmehr der unverschämt druckvolle Motor.

Highlight ist der Motor

So ein bisschen kennen wir den schon aus den Softail-S-Modellen. Aber eben nur ein bisschen. Denn im Gegensatz zu den Softails darf die mächtige Kurbelwelle der Dyna spontan und ungehemmt hochdrehen, ohne das ganze Balancer-Gewerk mit antreiben zu müssen. Von fünf PS Leistungsplus spricht Harley, wir wetten, es ist sogar mehr.

2016er Low Rider S

Der 1801 ccm große Screamin’-Eagle-V2 hängt brutal gut am Gas, jedes Zucken mit der rechten Hand setzt einen wahren Sprung nach vorne in Gang; wenn man denn möchte. Denn es geht auch sanft. Die Triebwerks-Ingenieure hatten offenbar ein ganz feines Händchen, als es darum ging, dem Hubraumriesen Alltagsmanieren beizubringen. Wer bummeln oder gemütlich cruisen will, kann das tun. Ohne Wenn und Aber.

Über 100 Newtonmeter Punch

Schon bei 2000 U/min läuft der Motor tadellos und ohne Konstantfahrruckeln, ab 2200 fühlt er sich richtig wohl und lässt sich ab dieser Drehzahl auch ohne Verschlucken hochbeschleunigen. Punch von über 100 Nm steht quasi ab Standgasdrehzahl zur Verfügung, der Drehmomentberg gipfelt bei gewaltigen 156 Nm.

Zu wenig Leistung? FXCK OFF, die Low Rider S ist ein Druckkessel

Zum Thema Fahrwerk, Bremsen und Fahrverhalten: Schön ist, der phantastische Motor kann dem Fahrwerk nichts anhaben. Die neuen Federelemente sind gut abgestimmt, das passt in nahezu sämtlichen Fahrsituationen. Lediglich das alte Harley-Dilemma mit der dürftigen Schräglagenfreiheit ist auch bei diesem Modell vakant. Unser Rat: Angstnippel abschrauben, Rasten noch ein wenig auf dem Asphalt wegraspeln, dann wird’s ruhiger unterm Fuß.

Gute Bremsen tun Not

Sehr positiv ist zu vermerken, dass die Rotstifthaie nicht zum Zuge kamen, denn bei der gebotenen Performance braucht die Dyna „S“ unbedingt die verbaute Doppelscheibe im Vorderrad. Die verzögert sehr ordentlich, ein Hauch mehr Bissigkeit dürfte aber dennoch sein. Hier dürfte mit anderen Belägen noch was zu machen sein.

Der Motor ist gaaanz großes V2-Kino

Und last, bust not least fiel uns bei den Testfahrten auf, dass die Low Rider aus den Kurven heraus stets weite Weg gehen will; aktiver Fahrer-Input ist also gefragt. Möglicherweise lässt sich dieses Thema aber auch mit einer Umbereifung lösen.

Fazit: Immer noch ein sehr geiles Teil, das den Vergleich zur Low Rider S auf Softail-Basis nicht zu scheuen braucht.

 

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