Der Name dieser Harley-Davidson Knucklehead ist eine Reminiszenz an „The Real McCoy“, was im Englischen als Idiom für „The real thing“, also „das einzig Wahre“ steht.

Die Idee von Erbauer und Besitzer Dirk Nagel war, auf Basis eines Harley-Starrrahmens eine vergleichsweise leichte, elegante, sportliche Harley aufzubauen, ganz im Stil der Flat-Tracker aus den 30er und 40er Jahren. „Etwas Hot-Rod-Feeling und ’ne dunkle Sonnenbrille dazu – und fertig ist die Kiste“, erklärt der Mann aus Karlsruhe.

Scrambler-Style-Krümmer mit Slash Cut

Wie es der Zufall wollte, stieß er just zu diesem Zeitpunkt auf ein fürchterlich heruntergerittenes Exemplar einer Knuckle aus den 40ern. Sie war für den Vorbesitzer in den 80er und 90ern ein Daily Driver und er hat sie nicht gerade gut behandelt. Letztendlich landete das Bike teilzerlegt vergessen in einer Scheune. Dirk hatte seine Vision im Kopf und der Deal war schnell
gemacht.

Harley-Davidson Knucklehead-Style

Der originale Antrieb, eh ziemlich schrottig und zerlegt, verblieb als Erinnerung beim Vorbesitzer. Die Realisierung von Dirks Vision konnte beginnen. Ein anderer Knuckle-Motor musste her. Es wurde schließlich ein 93 Kubikinch messender S&S-Motor im Knuckle-Stil: brachial, groß, zuverlässig. Originalmotoren sind ja bekanntlich so selten wie ein weißer Rabe und noch dazu sündteuer.

Die Blattfeder vom Trabi sorgt für etwas Sitzkomfort

Beim Aufbau blieb kein Stein auf dem anderen. Dirk fertigte vieles selbst oder passte vorhandene Teile entsprechend an. Er bog den Lenker und verwandelte einen ehemals einteiligen Originaltank mittels rigorosem Sagitalschnitt in zwei getrennte Tankhälften. Hierbei verschmälerte er die beiden Hälften, bevor er die Innenflächen mit Blechen dicht schweißte. Sein Credo: Nichts sollte aus Standardteilen bestehen.

Nichts aus Standardteilenbei dieser Harley

Alles sollte epochenkonform sein, aus zeitgemäßen Teilen bestehen. Irgendwann stand das Rolling Chassis. Für die Bandscheiben kam die gekürzte Blattfeder aus einem Trabi zum Einsatz. Die verrichtet jetzt horizontal unterm Sattel montiert ihren neuen Suspensions-Job. Dirk verbaute eine originale VL-Gabel aus den 30er Jahren. Die bekam neue Lagerschalen, hergestellt aus den Kurbelwellenlagern einer Flathead. Bodenfreiheit zum Kurvenräubern generierte er aus den 19-Zöllern mit hohen Firestones. „Das bedingt einen Fahrstil nur für Fortgeschrittene, ist aber geil“, versichert der Badener.

Der Tachohalter ist ebenso selbst gemacht wie die getrennten Tankhälften

Der Lack sollte den glänzenden Hot-Rod-Stil der damaligen Zeit wiedergeben, dezent und reduziert, am Tank hervorgehoben mit Glimmer, Blattgold und Omas alter Gardine. „Die Patina, also Schmutz und Dreck, bringt die Straße von alleine.“ Den Lackjob hat Dirk übrigens auch komplett selbst gemacht. Hut ab! Die hydraulische Hinterradbremse aus einer späten Pan hält das Versprechen, das die läppische Simplex-Trommel am Vorderrad nicht einhalten kann.

Harley-Davidson … Laufruhe und Kickstarter

Und ein Zahnriemen am Primär bringt mehr Laufruhe, abgedeckt ist der moderne Riemen von einem originalen Primärdeckel aus den 40ern. Ein Lederriemen hält den Tank zusammen, alles Montierte hat seinen Zweck, der Rest musste weg. Nach knapp zwei Jahren war das Bike fahrbereit und gestempelt. Danach kamen noch kleine Abänderungen wie etwa eine andere Zündung für besseres Kickverhalten, Zurückrüsten auf eine originale Fußkupplung, Totenkopf-Handschaltung und ein versteckter elektronischer Minitacho für mehr Genauigkeit.

Der über 1500 Kubikzentimer große Motor drückt beachtlich. Aber: „Der Wohlfühlbereich liegt zwischen 80 und 100 Stundenkilometer“, so Dirk

Less is more!“ Ganz nach dem Grundsatz des Architekten Mies van der Rohe ist nur das Nötigste an Dirks Bike montiert. „Schlanke Räder, schmaler Tank, minimierte Schutzbleche, keine unnötigen Bleche, Elektrik und Teile, sportliche Sitzhaltung, es muss sich anfühlen wie reiten auf einer Kanonenkugel, dann ist alles richtig, eine reine Fahrmaschine, ,The Real McCoy‘ eben“, so Dirk.

 

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