Chris aus Harrison in Arkansas gestaltet ihre Motorräder selbst. Beim handwerklichen Umsetzen ihrer Ideen bekommt sie Hilfe von Ehemann Gabe. Hier erzählt sie von ihrer Harley-Davidson Ironhead, Baujahr 1981.

„Motorrad gefahren bin ich seit meinem sechzehnten Lebensjahr. Allerdings hat es dann ein Weilchen gedauert, bis ich endlich zu Harley gefunden habe. Vor sieben Jahren war ich dann so weit: Eine Harley musste her! Ich kaufte zunächst eine Ironhead-Sporty von 1970.

Diese Frau hat die Vision von ihrem eigenen Bike konsequent umgesetzt

Die war zwar ganz okay, aber nicht exakt das, was ich mir so erträumt hatte. Die 1970er musste schließlich weichen und ich erwarb eine Ironhead von 1981. Schon bei deren Kauf war klar: Dieses Bike wird nach meinen Vorstellungen gestaltet.

Der Karnickelstall wird zur Werkstatt

Ich habe das Bike, so wie es jetzt dasteht, von Anfang bis Ende selbst designt und zusammen mit meinem Mann Gabe in unserem kleinen Hinterhofschuppen umgebaut. Und wenn ich sage ,Hinterhofschuppen‘, dann meine ich das so. Kein Witz: Der Vorbesitzer unseres Heims hat in dem Ding Karnickel gehalten.

Ironhead im Starrrahmen, edacht von einer Igelzüchterin

Das Dach des Schuppens hat uns im örtlichen Baumarkt 50 Dollar gekostet. Weil, wir sind eher arm, wir müssen jeden Penny dreimal umdrehen. Aber das ist unser Ding. Wir führen bewusst ein sehr genügsames Leben, können dadurch aber das bisschen Geld, das wir haben, in diejenigen Dinge stecken, die uns Spaß machen, so zum Beispiel in unsere Motorräder.

Harley-Davidson Ironhead – Schrott-Teile und viel Liebe

Wir haben keinen Fernseher, keine Geschirrspülmaschine und auch kein Mikrowellengerät – all diese Sachen, die für andere Menschen so essentiell sind. Einmal im Monat kaufe ich Essen ein, alles andere bauen wir selbst an, oder gehen jagen oder tauschen Lebensmittel mit Nachbarn.

Der 1981er Ironhead wurde auf 1200 Kubikzentimeter aufgeblasen

Zurück zu meinem Bike: Ich wusste von vorne herein, was ich wollte: die Scheibenräder einer Fat Boy, eine Wide-Glide-Gabel, einen offenen Ansaugtrichter, eine ganz gerade Lenkstange … und Flammen! Und minimalistisch sollte meine Traummaschine werden. Nichts für die Show.

Räder gab´s zu Weihnachten

Die Räder bekam ich von Gabe zu Weihnachten. Im Grunde habe ich das gesamte Bike dann um diese Räder herum aufgebaut. Die drastischste Maßnahme war das Abschneiden des alten und das Anschweißen eines neuen starren Hecks.

Spartanisch: Gerader Lenker, Verzicht auf Tacho und Blinker

Bei eBay fand ich Sachen wie Rücklicht und Nummern-schildhalter, die Bates-Style-Lampe lag in Gabes Regal, den flachen Heckfender puhlte ich aus seinem ,Parts-Müllhaufen‘ heraus. Einmal kam eine Frau aus Texas, um mir einen lebenden Igel abzukaufen (ich bin eine von nur etwa 40 Leuten, die in den USA Igel züchten), und sie brachte mir einen Sack voller Harley-Teile mit. Den Rest fanden wir auf lokalen Flohmärkten.

Altes Eisen, neue Teile

Gabe zerlegte den Motor und peppte ihn mit Neuteilen auf. 1200 Kubik, Axtel-Zylinder, hochverdichtende Kolben von Keith Black. Ich wechselte den Sportster-Tank gegen einen anderen aus, kürzte die Auspuffe und montierte eine Flatbar an die Wide-Glide-Gabel, die ehedem an einer Shovelhead verbaut war.

Chris aus Harrison in Arkansas gestaltet ihre Motorräder selbst. Die Räder gab´s mal als Weihnachtsgeschenk

Doch irgendwann saß ich in unserem Werkstattschuppen, schaute das Bike an und ich sah, irgendwie stimmte die Linie nicht. Es musste mehr Abstand zwischen den Vorderreifen und die Rahmenunterzüge. Gelöst wurde das Problem mithilfe anderer Gabelbrücken mit fünf Grad mehr Rake.

Papier als Minimalpolster unterm Sitzbezug aus Leder

Clean ohne Blinker und Tacho

Den Rahmen haben wir mit Sprühdosen selbst lackiert, Tank und Heckfender hat für 200 Bucks ein Profi gelackt. Das Bike hat bewusst keine Blinker und keinen Tacho, ich wollte es so clean wie möglich. Die blanke Sitzpfanne ist gekauft, ich habe selbst ein mit Einkaufstütenpapier leicht gepolstertes Leder-Sitzpad draufgeschaubt. Zwei Spiralfedern unterm Sitz sind der einzige Komfort, den ich hinten an meinem ,Iron Man‘ getauften Bike habe.

Chris züchtet Igel, mag aber auch Motorräder, besonders ihr eigenes

Versprochen ist versprochen

Übrigens: Ich besitze auch noch eine 1956 Panhead. Die steht zurzeit im Wohnzimmer und wartet auf ihre Vollendung. Jahrelang habe ich neben ihr geschlafen, den Motor für die Pan habe ich zur gleichen Zeit ergattert wie die Sporty für das hier gezeigte Projekt. Sobald die Ratenzahlungen fürs Haus nicht mehr so arg drücken, kommt auch dieser Oldie wieder auf die Räder. Versprochen!“

 

 

www.dream-machines.de