Christoffer Hultgren aus Schweden schweißt nicht nur in Eigenarbeit, sondern lackiert auch seine Bikes selbst, auch den Sitz der hier porträtierten Harley-Davidson Hydra-Glide hat er mit der alten Nähmaschine seiner Großmutter genäht. Dazu der Selfmademan: „Das ist der einzige Weg, wie ich absolut sicher sein kann, dass ich mit den Ergebnissen zufrieden sein werde!“

Christoffer ist 38 Jahre alt und arbeitet als Schweißer bei Siemens Industrial Turbomachinery außerhalb von Norrköping. Seine Freizeit verbringt er mit Freunden im örtlichen Motorradclub. Sein erstes Motorrad war eine Kawasaki VN 800, die er kaufte, als diese völlig zerlegt in etlichen Kisten verstreut war. In langen dunklen Winterabenden montierte er das Teil in seinem Wohnzimmer wieder zusammen. „Ich fand es super, auf meiner Couch zu sitzen, einen Film anzuschauen und dabei Räder einzuspeichen.

Die Leute werden mich hassen

Im Jahr 2017 besorgte er sich dann eine Harley. Es handelte sich um einen leicht gestrippten Hydra-Glide-Bobber aus dem Baujahr 1953. Christoffer zeigte mir auf seinem Smartphone ein Foto, das die Panhead zeigt, wie sie aussah, als er sie gekauft hat: Ein echter feiner Fishtail-Klassiker!

Auch nicht übel: So sah die Hydra-Glide aus, als Christoffer sie kaufte

„Sicher, die war schön, aber es war nicht das, was ich wollte. Ich sah das Bike nur als gute Ausgangsbasis. Ich schätze, wenn dieser Artikel erscheint, werden mich Leute dafür hassen, weil ich eine an sich feine Hydra-Glide dermaßen umgestrickt habe.

Harley-Davidson Hydra-Glide

Aber ich habe immer noch alle Teile, ich könnte die alte Version jederzeit wiederherstellen. Christoffer begann, einige Dinge für die Saison 2018 zu ändern. Er arbeitete sich von vorn nach hinten, zunächst gab’s ein 21-Zoll-Vorderrad, einen neuen Lenker und einen Uralt-Scheinwerfer. Aber das Projekt kam nicht wirklich in Schwung, bis er eine Schraubernische in seinem Clubhaus bekam.

Dem Wassell-Benzintank einen schlankeren Look zu verpassen, war einfach

Reiner Zufall, dass just zu diesem Zeitpunkt auch ein neuer Bikerkumpel, der an einem Softail-Projekt arbeitete, dazukam. Die beiden pushten sich gegenseitig bei ihrer Umbauarbeit, um den Dampf aufrechtzuerhalten.

Japanischer Look und Tropfentank

Christoffer wollte definitiv keinen schwedischen Stil, sondern einen finnischen oder japanischen Look mit sehr schmaler Gabel und einem winzigen tropfenförmigen Benzintank. Aber es ist einfach, sich eine schmale Gabel zu wünschen, es ist eine andere Sache, konkret eine zu bauen. „Als ich die Springergabel auseinandergeschnitten hatte, sah das aus wie ein Metall-Puzzle.

Der Sitz wurde von Christoffer selbst auf Großmutters Nähmaschine genäht

Ich war mir nicht mehr ganz sicher, ob ich sie wieder schön sauber und gerade zusammenbringen würde. Doch ein Arbeitskollege aus meinem Betrieb gab mir ein paar gute Ratschläge und zusammen haben wir es dann geschafft.“

Hydra-Glide verschlankt

Dem Wassell-Benzintank einen schlankeren Look zu verpassen, war einfacher, und wenn man sich das Bike ansieht, könnte man meinen, auch der Heckrahmen wäre verschmälert worden. Ist er aber nicht! „Das ist, weil ich auch den Öltank verschlankt habe. Das täuscht das Auge und lässt den ganzen Rahmen schmaler aussehen.“

Offen für alles: Es erfordert einen gewissen Gleichmut, einen Vergaser ohne jeglichen Ansaugschutz zu betreiben

Der Morris-Magneto bedeutet, dass das Bike keine Batterie benötigt. Lenker, Sissybar und vieles mehr bestehen aus Edelstahl, und der Sitz wurde – wie oben erwähnt – von Christoffer selbst auf Großmutters Nähmaschine genäht.

Der Lack wollte nicht trocknen

Dann gab’s noch Trouble. Der Zweikomponentenlack, mit dem er den Rahmen lackiert hatte, wollte einfach nicht trocknen. Noch nach zwei Wochen hinterließ er Fingerabdrücke im Lack, wenn er den Rahmen anfasste. Die Norrtälje Bike Show rückte näher und der Erbauer wurde langsam verzweifelt. Am Ende erhitzte er den Rahmen fünf Stunden lang mit einer Heißluftpistole, bis der Lack endlich aushärtete.

Rücklichter vom Flohmarkt. Die Sissybar fertigte der gelernte Schweißer aus Edelstahl

Die grüne Metallic-Lackierung heißt „BMW Boston Green“, das Tankemblem ist eine Nachbildung von Harleys altem VL Flathead aus den 1930er Jahren, passt aber trotzdem perfekt zum Motorrad.

Lackfarbe: BMW Boston Green Metallic

Wenn ich reich wäre…

Sind noch Änderungen geplant? „Nun, es wäre interessant, etwas Aluminiumguss auszuprobieren! Vielleicht einen Vogelabweiser für den Vergaser. Und ich denke, als Nächstes mache ich mich an einen langen, tiefen Langgabel-Chopper. Aber dazu muss erst mal die Kohle her, denn wenn ich reich wäre, hätte ich ein ganzes Dutzend Motorräder in der Garage stehen.“

 

 

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