Besonders gerne zeigen wir umgebaute Bikes, die von Privatpersonen in deren heimischen Garagen entstanden. Hier erzählt uns der mit 34 Lenzen relativ junge Harley-Fahrer Marcus Schattschneider die Entstehungsgeschichte seiner Retro-Forty-Eight.

Mein Interesse und meine Leidenschaft für Zweiräder begann bereits im Alter von 16 Jahren. Damals fuhr ich eine Aprilia RS und kurz darauf einen 180-ccm-Roller. Schon damals wurden beide nach allen Regeln der Kunst modifiziert. Natürlich war zu diesem Zeitpunkt bereits klar, dass ich zwei Jahre später mit 18 zusammen mit dem Autoführerschein auch den Motorradführerschein machen würde.

Ich wusste, es würde mir nicht genügen, lediglich eine Harley zu besitzen

Da auch ich, wie viele andere in dem Alter, nicht das nötige Kleingeld für ein eigenes Bike hatte, stibitzte ich hin und wieder die Kawasaki Zephyr 1100 meines Vaters, wovon er bis heute nichts weiß. Auch typisch in dem Alter, waren viele andere Dinge wichtig und interessant für mich, sodass das Thema Motorrad einige Zeit in den Hintergrund rückte.

Harley-Davidson Forty-Eight als Bobber

Inzwischen bin ich 34 Jahre alt, habe im Berufsleben Fuß gefasst und kann mir meinen Traum von einem eigenen Bike verwirklichen. Obwohl viele meiner Freunde leidenschaftlich gerne sportliche Motorräder wie zum Beispiel eine Suzuki GSX-R oder eine Yamaha R1 fahren, stand für mich schon lange fest, dass ich eine Harley-Davidson mein Eigen nennen wollte. Mitunter auch, weil mein Vater seit Jahren begeisterter Harley-Fahrer ist.

„Offen gestanden hatte ich ein ziemlich ungutes Gefühl, die Flex anzusetzen“

Nachdem ich dann bei meinem Kumpel Frank zu Besuch war und seine umgebaute Softail Slim sah, war sofort klar, dass es mir nicht genügen wird, lediglich eine Harley zu besitzen. Ich wollte ebenfalls ein in Eigenregie umgebautes Unikat erschaffen. Im Juli 2016 war es dann so weit: Ich fuhr zu einem Harley-Davidson-Händler und kaufte sie, meine eigene flammneue Sportster Forty-Eight. Serienmäßig, wie sie war, fuhr ich sie die Saison. In meinem Kopf wuchsen jedoch die Ideen und Pläne für den Umbau.

Der schönste Sportster-Umbau, ever

Nachdem die Saison vorbei war, habe ich zusammen mit Frank, meinem Kumpel aus der Schulzeit, die Ideen zu Papier gebracht. Wir fingen an, den Stil, den Look der Lackierung und diverse andere Details zu besprechen. Schnell wurde deutlich, in welche Richtung wir uns bewegen wollten und vor allem, dass wir etwas schaffen, was es in der Form noch nicht gibt, was anders ist als die vielen anderen Umbau-ten. Wir haben uns vorgenommen, einen der schönsten Sportster-Umbauten zu fertigen, zumindest in unseren Augen: Im Old-School-Vintage-Look sollte mein Bike im neuen Design erstrahlen.

Mit den aufgezogenen Classic-Reifen von Shinko ist Marcus sehr zufrieden

Begonnen haben wir mit dem Abflexen der Fenderstruts, die wegen des geplanten mitschwingenden Heckfenders weichen mussten. Offen gestanden hatte ich anfangs ein ziemlich ungutes Gefühl, die Flex anzusetzen. Aber für solche Zweifel blieb nicht viel Zeit, denn ehe ich mich versah, hatten wir das Bike „zerlegt“. Zurück im Schuppen blieben der Rahmen und der Motor. Unzählige Teile wurden zum Entlacken gebracht, um sie später pulvern zu lassen. Währenddessen haben wir auf der Drehbank verschiedene Cover gedreht, den Lenker modi-fiziert und unter anderem den seitlichen Tachohalter, den Heckfender sowie die Endtöpfe, die Hitzeblenden und den Krümmer angepasst beziehungsweise umgebaut.

Fishtails und Retroreifen

Darüber hinaus haben wir „Fishtails“ an die Endtöpfe geschweißt. Die Auspuffanlage ist ein kompletter Eigenbau, worauf wir besonders viel Wert gelegt haben. Und weil die original verbauten Stahlgussfelgen des 2016er Modells nicht zum angestrebten Look passten, haben wir neue Speichenfelgen von einem 2015er Modell gekauft. Der Retro-Stil des Bikes zieht sich vom umgebauten Lenker über den bequemen Vintage-Solositz, das Heck mit mitschwingendem Heckfender und die Retroreifen bis hin zu der handgefertigten Seitentasche und nicht zu vergessen zu der perfekten Lackierung von Ingo Kruse durch.

Perfekt ins Lackdesign integriertes altes Original-Emblem. Für den Lack, die Stripes und den „Used Look“ zeichnet Ingo Kruse verantwortlich. Marcus gab ihm völlig freie Hand, lediglich das Thema „Retro“ sollte erfüllt sein

Insgesamt benötigten wir für den Umbau acht Monate, in denen wir nach der Arbeit bis spät in den Abend sowie an den Wochenenden gemeinsam geplant, geschraubt, gelacht und getüftelt haben. Unterstützt haben uns dabei zahlreiche Flaschen Bier. Und jetzt ist es so weit, mein Traum ist wahr geworden. Ich habe meinen eigenen, individuellen Bobber, der die Luft vibrieren lässt und mit dem ich super relaxt cruisen kann.

Ein Riesenspaß

Abschließend kann ich nur sagen, dass es ein Riesenspaß war, etwas von der Idee im Kopf bis ins kleinste Detail zu planen und dann zu verwirklichen, und ich bedanke mich an der Stelle nochmal bei Frank, der mich bei dem Projekt (manchmal sehr zum Leidwesen seiner Frau) unterstützt hat.“

 

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