Ein überaus seltener Smooftail-Rahmen von Arlen Ness wurde von Battistinis mit einem Harley-Davidson Evolution V2 bestückt und bildschön in Szene gesetzt.
Dies ist die Geschichte einer zwar geilen, aber auch schwierigen Symbiose zwischen einigen Typen aus dem englischen Bournemouth und einer berühmten Custom-Ikone aus Dublin/Kalifornien. Hierbei handelte es sich um keine halbherzige, höfliche Geschäftsbeziehung zweier Unternehmen. Vielmehr geht es um gemeinsam geteilte Ideale, wo es sowohl Freud als auch Leid gibt, Erfolge wie auch Niederlagen. Natürlich gibt es in solchen „Beziehungen“ – wie wohl in jeder – gegenseitige Vorwürfe, wenn etwas schief läuft. Und es gibt Friede-Freude-Eierkuchen, wenn alles prima klappt. Das ganze Spektrum menschlicher Emotionen eben.
Arlen Ness neben dem Herrgott fahrend – nur viel tiefer sitzend
Diejenigen unter den Lesern, die nicht an die Genialität des 2019 verstorbenen Arlen Ness glauben, sollten besser in andere Geschichten über vielleicht chromblitzende Weihnachtsbäume eintauchen. Dieser Abschnitt huldigt unserem Glauben, dass, nach Jesus Christus und Keith Richards, Arlen Ness derjenige ist, der im Himmel oder sonstwo neben dem Allmächtigen fährt, lediglich viel tiefer sitzend als der Herrgott, dessen zweirädrige Fuhre bislang noch nicht auf Maß getrimmt wurde.

So um 1992 entwickelte Arlen einen Stil, der den klassischen Hardtail-Look der Softail und die Zuverlässigkeit und den Komfort des FXR-Antriebs mit seinen eigenen Visionen über das Aussehen eines Lowriders verbinden sollte. Die äußeren Eckdaten hießen: sehr lang, schlank und tief, mit einem Rahmen aus feinen Chrom-Molybdän-Rohren, ohne irgendwelche Schnörkel, denn die Eleganz dieses Bike-Projekts sollte ausschließlich durch die fließenden Linien des Fahrzeugs gelingen. Die originale „Smooftail“ war geboren.
Es existieren nur zwei oder drei Prototypen des Smooftail-Rahmens
Diejenigen unter uns, die dieses Prachtstück auf der San Diego Antique Motorcycle Show im Oktober 1993 erblicken durften, bevor diese Maschine den ausgezeichneten Ruf des Ness’schen Custom-Imperiums weiter ausbaute, werden nicht umhin können, zuzugeben, dass dies das schönste Gefährt auf zwei Rädern war, das jemals auf Erden entworfen und gebaut wurde.

Bedauerlicher Weise wurden diese Smooftail-Rahmen aufgrund anderer Prioritäten im Ness-Lager niemals zum Kauf angeboten. Lediglich zwei oder drei Prototypen wurden in San Leandro, wo Ness damals noch ansässig war, gefertigt. Ein Rahmen gelangte nach eindringlichem Flehen (sogar vor diversen „Erpressungsversuchen“ wurde nicht zurückgeschreckt) doch in äußerst dankbaren Hände.
Smooftail-Rahmen mit Harley-Davidson Evolution V2
Erfreulicherweise schwammen die Jungs von Battistini noch nie mit dem Strom, wenn es um das Diktat der Masse geht, wie ein Custombike auszusehen habe. Als der sehnlichst erwartete Rahmen endlich eintraf, beschlossen die Battistini-Boys, sein ultimatives Design nicht durch tonnenweise Alu-Teile oder unzählige technischen Spielereien aus Fernost zu ertränken. Vielmehr gingen sie den genau anderen Weg. Sie beschlossen, durch möglichst wenige und cleane Anbauteile die unglaubliche Finesse dieses Rahmens zu unterstreichen.

Als Antrieb wählten sie einen Harley-Davidson Evolution V2 mit unveränderten 1340 Kubiukzentimetern Hubraum – eine sichere Bank für problemloses Meilenfressen. Die Lackarbeiten wurden dem kalifornischen Lack-Guru Jeff McCann anvertraut. Jeff erinnerte die Engländer wieder und wieder daran, dass weniger oftmals mehr ist. Ein 80er Jahre Cadillac-Candy-Dubonnet-Lack wurde für diese neoklassische Bike-Versuchung aufgetragen. Der pinstripe-dünn ausgeführte Zierstreifen auf den Rahmenaußenseiten und der Schwinge verstärkt gekonnt die Konturen des Rahmens.
Der Harley-Davidson Evolution V2 passt perfekt zum Battistinis-Outfit
Dieser wurde viele Jahre später von Grund auf restauriert und in unzähligen Arbeitsstunden mit zahlreichen Verbesserungen bedacht. Die Smooftail gleitet und bremst jetzt vorbildlich. Durch ihre Fahrbarkeit wird sie die meisten Spötter überraschen und Ungläubige Lügen strafen, obwohl sie natürlich nichts für Fahranfänger und Weicheier ist.













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