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Harley Sportster – Jupiter’s Child

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Tom Rads Credo „Save the Choppers“ bezieht sich auf die späten 60er und frühen 70er Jahre. Er baut Motorräder wie diese Harley Sportster namens „Jupiter’s Child“.

Kaum eine Stilrichtung des Customizing konnte sich je so schnell Freunde schaffen wie der Old School-Stil. Nostalgie, die Sehnsucht nach der guten alten Zeit, ist eben ein guter Wegbereiter. Allerdings: Akzeptiert wird von der Masse lediglich der Mainstream – das, was oft genug zu sehen ist, was man ihr vorkaut.

The Real Old School

Junge Leute kennten die echten alten Vorbilder gar nicht. Und wenn es die Bikes unserer Väter sind, die wir aufleben lassen wollen, dann werden unsere Kopien oder Restaurierungen nur so gut, wie wir uns in die alte Materie einarbeiten können. „Choppersrule“ Warren bringt es auf den Punkt: „Es gibt Kerle, die bauen Old School-Stil und andere Kerle, die bauen den Real Old School. Die suchen und finden die echten und korrekten alten Teile, die lernen die alten Magazine auswendig, und wenn diese Puristen was machen, dann wird’s genauso aussehen, wie es früher ausgesehen hätte.

Aufgebaut wurde die „Jupiter’s Child“ ausschließlich mit solchen Parts, wie sie auch schon vor 30 Jahren verfügbar waren. Gussfelgen, Girdergabel und Single Downtube zitieren die Vorbilder aus den 70ern

Nix mit Old-School-trifft-auf-moderne-Technologie oder so, diese Jungs bauen nur im Sinne der puren alten Schule.“ Und genau das tut Tom Rad, der Begründer der Bewegung ‚Save the Choppers‘. Beim Surfen im Internet waren wir auf Warrens Website gestoßen und somit auch auf den begnadeten, schraubenden Lackierer, der in der Nähe von Minneapolis in Minnesota seinen Radpaint-Shop betreibt. Dort verschönert er zwar auch moderne Harleys und haucht top originalen klassischen Bikes wieder Leben ein, aber Toms Herz hängt an vollendet gestylten Choppern der 60er und frühen 70er Jahre: „Das Sammeln der klassischen Chopper-Teile für mein aktuelles Bike ‚Jupiter’s Child‘ dauerte bald zwei Jahre.

Invader Wheels waren damals schwer angesagt

Von dem durchlöcherten ‚Holy Banana‘-Lenker, dem verrippten Magnuson Primärdeckel bis hin zu den 12-Speichen-Aluminiumgussrädern. Ich hatte schon ewig nach einem solchen Satz Räder gesucht und schon resigniert. Doch dieses Bike brauchte unbedingt diese Räder! Dann hatte ich Glück. Auf dem Minnesota Swap Meet fand ich ein nagelneues Pärchen.“ Tom war glückselig. Heutzutage denken alle, ein klassisches Custombike hätte unbedingt Speichenräder zu haben, doch in der Blütezeit der Chopper wollte jeder weg vom Alltäglichen – und Speichenräder waren alltäglich. Firmen wie Lester Wheels, Alphabets und Morris brachten Gussräder, Die Firma Invader bot geschweißte Rohrspeichenrädern an.

Geglättet: Sichtbare Schweißnähte sind „no go!“

Oder eben die zwölfspeichigen Cal Mags, wie sie jetzt in Toms zeitgenössischem Aufbau zu sehen sind. Gerade diese „Twelve Spokes“ waren die ersten auf dem Chopper-Markt erschienenen Gussräder. Ursprünglich kamen sie aus dem automobilen Hot Rod-Dunstkreis. Einige Jahre später hatte die seinerzeit noch junge Firma Performance Machine (PM) die alten Gussformen und Lizenzen gekauft und fertigte die zwölfspeichigen, jetzt ’Cal Mag’ genannten Räder weiter. Tom Rad setzte, nach einer Komplettüberholung, einen fast normalen 1965 XLCH Sportster-Motor auf die Einbauwarteliste.

Der Motor bleibt Original

Weder Big Bore noch Stroker Kits kamen zum Einsatz. Originalbelassene 900 ccm sollen die Alltagstauglichkeit des Harley-Davidson Ironhead garantieren. Ein klein wenig mehr Pepp wird der nach oben ragende Weber Fallstromvergaser bringen. Aber gerade der machte Probleme, weil für den kein passendes Ansaugsystem zu finden war. So wurde hier, genau wie es die Jungs in den alten Zeiten gemacht hatten, in Handarbeit ein Manifold aus Rohrstücken zusammengeschweißt. Der Rahmen begann sein Leben als ein gewöhnliches Zubehörteil der Firma Paughco.

Weber-Doppelvergaser mit Teesieb-Filtern und selbst gebauten Ansaugstutzen

Mit der Hilfe seines prominenten Freundes Donnie Smith wurde das obere Rahmenrohr um 115 Millimeter verlängert und der Lenkkopf in einem Winkel von 50 Grad angeschweißt. Donnie verwirklichte auch den Umbau auf einen einzelnen Rahmenunterzug. Diese so genannten Single Down Tube-Rahmen waren schon in den frühen 70ern der Hit in der Szene. Auch die Blecharbeiten hat Tom selbst erledigt. Das Heck-Schutzblech mit der britischen Mittelrippe hat er aus einer Ersatzradabdeckung eines 36er Ford Continental Kits herausgeschnitten.

Candylack natürlich

Auch für den Rahmen galten die alten Regeln: Mit Zinn und Spachtel sind die Übergänge geglättet, die Amis nennen das „molding“. „Der Lack ist Candy Cherry über silbernem Flake. Blatt-silber und Blattgold akzentuieren das Rot. Und natürlich das weiße „Cobwebbing“ in den seitlichen Vertiefungen des Tanks“, meint Tom. Cobwebbing sind normalerweise Spinnweben. Bei Lackierern wird der Begriff für eine Technik gebraucht, bei der auf einen Basislack unverdünnte Acrylfarbe mit ganz wenig Luft aufgespritzt wird.

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DM 1/26

‚Cobwebbing‘: Spinnwebartige Lackiertechnik

Richtig gemacht, kommt die Farbe wie ein sämiger Faden aus der Spritzpistole und bedeckt die Fläche mit einem Netz aus Lack. Vorne kam eine Girder-Trapezgabel von SB&F mit 380 Millimeter Überlänge zum Einsatz, die Tom zusätzlich nochmals verlängerte. Das Bike hat jetzt einen Radstand von 2,26 Meter. Auf meine Frage, wie sich dieser Langgabler fährt, kommt es wie aus der Pistole: „Wie ein Zug auf Schienen.“ Länge läuft. Und auf messerscharfes Handling haben die Chopper-Freaks früher ja bekanntlich gepfiffen.

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CB 6/25

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Delta Parts Dez. 2025


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Fotos: Horst Heiler
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