Wie aus einem bedauerlich heruntergerittenen FL-Schrotthaufen ein Panhead Chopper zum Dahinschmelzen wurde.
„Eine Springergabel, eine tiefer Sitz und ein hoher Lenker – auf so einem Bike fühlt man sich frei und unabhängig“. Bei Harley-Davidson Leipzig hat man klare Vorlieben. „Oldstyle ist das, was uns am besten gefällt. Aber wir bauen grundsätzlich nur fahrbare Bikes“ – klare Ansage aus Sachsen.

In ihrem ersten Leben war das hier gezeigte Bike eine FL Panhead, die 1962 erstmals Asphalt unter die Räder genommen hat. Nachdem sie bereits den einen oder anderen kosmetischen Umbau erlebt hatte, verlor ihr Besitzer das Interesse an seinem Schätzchen. Kein Wunder, seine Lady hatte unübersehbar angefangen, zu gammeln.
Schlechte Substanz, brauchbarer Motor
Ihr Zustand war nur noch als erbärmlich zu bezeichnen. So landete sie über „ebay“ beim Harley-Vertragshändler in Leipzig. Den Schraubern hatte zunächst eine fachgerechte Restaurierung der FL vorgeschwebt, doch sie mussten rasch einsehen, dass die Substanz dazu nicht wirklich taugte. Aber der 1200er V-Twin war wirklich brauchbar.

Also wurde er zerlegt und Stück für Stück auf Vordermann gebracht. Ein Belt verbindet das Triebwerk jetzt mit einer Barnett-Kupplung und einem Replika-Vierganggetriebe von V-Twin. Ein S&S Super E befeuert den Twin auf der Einlassseite.
Panhead Chopper im VG Wishbone-Rahmen
Mit Rücksicht auf die Bandscheiben haben sich die Sachsen, was das Chassis angeht, für einen gefederten Wishbone-Rahmen samt Schwinge von VG entschieden. Mit einem Rake von 37 Grad verbauten die Leipziger eine gereckte ’97er Harley-Springergabel. Das Heck stützen Federbeine von Progressive Suspension.

Während hinten mit der hydraulisch unterstützten, originalen Trommelbremse für leidliche Verzögerung sorgt, wird vorn eine gelochte RST-Scheibe in die Zange genommen.
Kein Glimmer, kein Fake – einfach ein ehrlicher Chopper
Und der Rest? „Man fängt irgendwo an und sieht, ob es passt oder nicht. Leider stellt man oft fest, dass es nicht passt … und verändert werden muss“ erzählen die Schrauber. So choppten sie die Fender, versetzten den Kickstarter wegen des Auspuffs nach außen und glichen den von V-Twin gelieferten Twin Cam-Öltank an seinen neuen Einsatzort im klassischen Viergang-Rahmen an.

Und so steht am Ende ein ehrlicher Panhead Chopper vor uns, der weder eine sündteure Glimmerlackierung noch sonstige Spirenzchen braucht, um einen aus den Socken zu hauen. Springergabel, tiefer Sitz und hoher Lenker – mit diesem einfachen Rezept kann man eigentlich nichts falsch machen. Aber erst wenn dazu noch ein Gespür für die richtige Linienführung und saubere Detaillösungen kommen, wird’s ein echter Eyecatcher.
Info | H-D Leipzig











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