Bauen die Finnen die besseren Schwedenchopper? Wenn man sich diese unglaublich saubere Panhead anschaut, ist man geneigt „ja“ zu sagen!
„Totenköpfe, Drachen, Flammen und ähnliches Gruselzeug verwendet doch heutzutage fast jeder auf seinem Bike. Ich wollte dagegen in die andere Richtung – auf einen positiven Tripp.“ Mit diesem Statement liefert uns Erbauer Andy Niemi die Begründung für das Aussehen seines Tributes an die Hippie-Zeit. Mit der Mondo Bizarro hatten wir bereits ein ähnliches Bike aus Schweden vorgestellt. Das musste sich auf der Bikeshow in Norrtälje nur dem hier gezeigten langgabeligen Traum in Candylack geschlagen geben.
Eine Hommage an die ersten Langgabler
Andy aus dem südfinnischen Lieto schraubte schon früher in seiner Freizeit an diversen Bikes. Im Hauptberuf war er Chef einer Werbeagentur. Irgendwann nahm die Sache mit den Bikes aber Überhand. Ihm blieb kaum noch Zeit für die Familie. Auf die Bikes wollte er aber nicht verzichten. Also verkaufte er die Werbeagentur, gründete Flying Choppers und schraubt seither hauptberuflich.

Eine Hommage an die ersten Langgabler geisterte dem Finnen schon länger im Kopf herum. Eines Tages stand ein Kunde im Laden, der sich für einen Knuckle-Bobber interessierte. Andy war auch dazu bereit, doch eine innere Stimme sagte ihm, dass ein Bobber nicht das war, was der Kunde wirklich wollte. Im Gespräch kristallisierte sich dann nach und nach heraus, dass der Kunde eigentlich ein Chopper-Fan war.
Ein gertenschlanker Schwedenchopper aus Finnland
Schnell war die Linie abgesteckt: Es sollte ein schmales, gertenschlankes Bike werden; dadurch würde es noch länger wirken. Bereits beim Rahmen begann Andy diese Vorgabe umzusetzen. Das Rohrgeflecht wurde rund 2,5 Zoll schmaler als ein originaler Harley-Frame. Entsprechend verschlankt wurden auch die Gabelbrücken. Sie führen eine um 26 Zoll verlängerte Evo-Gabel. Großen Wert legten die Erbauer auf eine ausgewogene Gewichtsverteilung.

Mehrmals wurde die Einbaulage des Motors korrigiert. Am Ende war das schlanke Bike perfekt austariert. Einige Detaillösungen machten viel Arbeit. So verbaute Andy am Hinterrad die mechanische Trommelbremse einer Ironhead-Sportster. Diese ist aber eigentlich für rechtsseitigen Einbau konzipiert. Also wurde eine komplizierte Umlenkung nötig. Oder etwa das Pedal der Fußkupplung, das einmal ein ehemaliger Türbeschlag war. Doch gerade diese Kleinigkeiten sind es, die solch ein Bike einmalig machen.
STD-Köpfe mit zwei kerzen pro Zylinder
Dafür verzichtete Andy – wie die Vorbilder in den wilden 70ern – komplett auf eine Vorderradbremse. So bleibt der Blick auf die von Flying Choppers produzierte Nabe frei, die aus dem Lieferprogramm des Finnen stammt. Auch weitere Parts stammen direkt aus dem Custom Shop, so zum Beispiel der Prototyp eines Zündverteilers für Doppelzündung (der mit STD-Köpfen aufgebaute Motor verfügt nämlich über zwei Kerzen pro Zylinder).

Den Paintjob übernahm Andys Mitarbeiter Hese. Vorgabe war ein Design im Geiste von Larry Watson. Dieser legendäre Kalifornier war einer der Pioniere des Custompainting. Er nutzte schon in den Fünfzigern Candy-Lacke mit Perleffekt. Andy über seine Mitarbeiter: „Hese ist ein ganz besonders individuelles Individuum. Sein Hirn funktioniert anders als bei normalen Leuten. Doch gerade deshalb ist es sehr inspirierend, mit ihm zu arbeiten.“
Ein finnischer Schwedenchopper gewinnt in Norrtälje
In Norrtälje sorgte das Bike dann für Begeisterung. Die Jury wählte es auf den ersten Platz in der Chopper-Kategorie. Doch Andy bleibt bescheiden: „Das hier sollte nur ein cooler Chopper für meinen Kunden werden. Die meisten Customizer tun alles um Aufmerksamkeit zu erzielen. Es würde mich nicht wundern, wenn sie eines Tages sogar die Motoren weglassen. Sieh dir aber diesen Chopper hier in zehn Jahren an. Dann wird er immer noch einfach gut aussehen.“
Info | flyingchoppers.com
















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