Custombike-Projekte ähneln oftmals der Erschaffung von Dr. Victor Frankensteins Monster. Das Ziel ist die Erschaffung eines neuen, besseren Originals, welches das bereits existierende in den Schatten stellt. So sieht das jedenfalls Marcus Bucklemund aus Arizona mit seiner 2001er Buell.

Mary Shelleys originale Version von Frankenstein deutet noch darauf hin, des Doktors Kreatur sei einem Golem gleich erschaffen worden. Eine Neukonstruktion also am Reißbrett entworfen und in der Werkstatt realisiert.

Der stilbildende und die Optik dominierende Tank ist fest mit dem Oberrohr verbunden

Frankensteins Buell ist Baujahr 2001

Spätere Interpretationen, derer sich besonders gerne Horror-Filme bis heute bedienen, lassen den imaginären Doktor dagegen in die verfügbare Teilekiste greifen, die mangels existierender Kataloge mit tausend Seiten voller Bolt-on Parts in seinem Falle noch der Friedhof war. Beim Funken des Lebens war Victor Frankenstein ebenfalls noch der Zufälligkeit des Wetters unterworfen, und gezwungen, diesen mühsam aus einem Blitzeinschlag zu generieren. Heute schließen wir einfach die Batterie an – und fertig.

Organtransplantation meets Eigenkonstruktion

Die Entstehungsgeschichte der FrankenBuell begann als eine eher simple Reparatur. Mit der Diagnose Frontschaden landete die 2001er Buell auf dem Operationstisch. Was zunächst nach einem recht einfachen Eingriff klingt, hätte auch ebenso leicht erledigt werden können. Marcus hatte aber den Entschluss gefasst, eben nicht einfach nur Defektes zu ersetzen, sondern was gänzlich anderes zu erschaffen.

Vieles wurde übernommen

Der Entschluss, den Motor samt integriertem Getriebe, sowie die komplette Bremsanlage vorn und hinten ohne Modifikationen zu übernehmen, war ein leichter. Auch das Weiterverwenden der originalen Buell-Räder in die neue Kreation war eine schnell beschlossene Sache. Die Gabel
einer Suzuki GSX-R ersetzte das geschrottete Original. Die Verwendung der japanischen Gabel verlangte allerdings nach der Neukonstruktion der unteren Gabelbrücke, was mit der Fräse und einem Block Alu recht schnell erledigt war.

Resteverwertung: Kreation mit eigenwilligem Stil

Nun konnte Marcus sich dem Kernstück des Bikes zuwenden, dem Rahmen. Seine grundlegende Idee war eine sportlich aggressive Sitzposition, die jedoch weder der eines konventionellen Sportbikes, noch exakt der eines klassischen Dragsters entsprechen sollte. Die Linie des Bikes sollte darüber hinaus den Charakter eines Choppers haben. Mit vorverlegten Fußrasten und gleichzeitig vorgebeugtem Oberkörper des Fahrers.

Neuer Rahmen, neuer Tank

Komplett von Grund auf neu entworfen und in der eigenen Werkstatt geschweißt, stand bald ein Rahmen mit integriertem kurzen Hilfsrahmen für den Fahrersitz auf der Werkbank. Äußerst schwierig, weil extrem bestimmend für die Linienführung eines jeden Motorrades, ist die Wahl des Designs für die Tanks, die die notwendigen Lebenselixiere Benzin und Öl aufnehmen.

Der Tank ist ebenso eine Eigenentwicklung wie Rahmen, Lenker und Auspuff

Eines war Marcus von Anfang an klar: Bolt on ist nicht! Wenig vergleichbar einem der klassischen Literatur des frühen neunzehnten Jahrhunderts entstiegenen Monster, sondern vielmehr einem von Giger inspirierten Alien-Torso gleich, wächst der kombinierte Öl- und Benzintank fast organisch schmal aus dem hinteren Teil des Rückgrates hervor nach vorn.

Giger stand Pate

Organisch verlief auch der Bau dieser Konstruktion. Zunächst wurde das Skelett mit Schweißdraht am Rahmen befestigt und symmetrisch ausgerichtet. Im zweiten Schritt erst entstand der eigentliche Tank durch schneiden, formen und verschweißen der die jeweiligen Flächen bildenden Platten. Abschließend und ebenfalls in eigener Werkstatt entstanden die Auspuffanlage und der Lenker der Franken-Buell.

Zugang durch je einen Pop-Up Deckel

Während die Existenz, oder zumindest die realen Vorbilder und Inspirationen, die Mary Shelley 1818 zu Frankenstein bewegten, bis heute nicht wirklich geklärt sind, ist diese Information im Fall der FrankenBuell verfügbar. Sie entstand in der Werkstatt von Marcus Bucklemund im amerikanischen Bundesstaat Arizona.

 

 

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