Diesen Evolution Chopper fährt eine schwedische Lady. Ihr Mann meinte, sie solle etwas Normales fahren – hat ja prima geklappt!
Bekanntlich ticken die Schweden etwas anders, wenn es um das Bauen von Custombikes geht. Magnus Larsson zum Beispiel fährt ein Bike mit einer um 66 Zentimeter verlängerten Gabel. Doch als es darum ging, für seine Frau Helen ein Bike zu bauen, sollte es etwas Normales sein.
Die Gabel wurde nur um läppische 48 Zentimeter verlängert
„Nur“ 48 Zentimeter Verlängerung an der Gabel und ein 100 Kubikinch-Motor sollten reichen. Genau das Richtige für eine wohlerzogene, gläubige Mutter von drei Kindern. Helen und Magnus sind schon seit früher Jugend ein Paar. Sicher keine alltägliche Sache, doch verständlich, wenn man bedenkt, dass sie tief gläubige Christen sind. Der „Saved“-Schriftzug auf dem Tank ihres Bikes weist auf den Glauben der Besitzerin hin.

Magnus trägt auf seiner Lederweste ein Kreuz. Er ist Member des norwegischen, christlichen Shelter MC. Das Paar ist Teilhaber eines Schlachthauses mit angeschlossener Fleischverpackung. Die Firma ist der einzige Arbeitgeber in Gånghester, einem kleinen Dorf, das eine halbe Fahrstunde von Göteborg entfernt liegt.
„Wir wollten den Sensenmann nicht länger herausfordern“
Bereits als Teenager begannen sie mit Motorradfahren. Schnelle Japaner hatten es ihnen angetan. So bewegten sie so heiße Eisen wie Yamaha RD 350, später R1 und Honda Fireblade. Doch kurz bevor sie dreißig wurden, wechselten sie zu amerikanischem Eisen.

Den Grund dafür erklärte uns Helen so: „Nachdem wir so lange auf den schnellen Maschinen unterwegs und noch am Leben waren, dachten wir uns, dass es Zeit für einen Wechsel würde. Wir wollten den Sensenmann nicht länger herausfordern. Auch hat uns die fehlende Kameradschaft bei den Speed-Junkies gefehlt. Bei denen geht es nur darum, immer am Limit zu fahren, doch wahre Freundschaft entsteht nicht. In der Harley Community ist das ganz anders.“
Der Evolution Chopper sollte nicht ganz so wild wie der Feuerstuhl ihres Mannes werden
Also legte sich das Paar eine modifizierte Bad Boy zu. Diese fuhren sie die erste Zeit gemeinsam. Probleme mit dem Teilen haben die beiden nicht. Alles gehört ihnen zusammen. Doch dann baute sich Magnus einen Langgabler und Helen konnte die Bad Boy alleine fahren. Die 26 Inch (66 cm over)-Gabel an Magnus’ Chopper war ihr dann doch ein wenig zu viel des Guten.

Dadurch sah es in der beiden Garage allerdings nach einer Zweiklassengesellschaft aus. Die Bad Boy sah neben dem verrückten Chopper einfach nur noch übergewichtig und unscheinbar aus. In einem französischen Custombike-Magazin fand Magnus ein Bike mit interessanter Farbgebung.
Überall würde solch ein Bike als Machobike durchgehen, aber nicht hier
Der Besitzer hatte sein Bike grau mit weißen Flammen lackiert. Dies war der Auslöser für die Idee, einen zweiten Chopper mit einem solchen Farbkleid anzuschaffen. Der Aufbau sollte durch Calles Chopperdelar in Moheda durchgeführt werden. Im Herbst fuhr das Paar in die nur 1 1/2 Stunden entfernte Stadt, um mit Chefmechaniker Bengt Ivarsson die weiteren Schritte zu besprechen.

Die ersten Vorgaben wurden schon einmal festgelegt. „Nur“ ein 100 cui-Motor, „nur“ 19 Inches an der Gabel, „nur“ ein 200er Hinterreifen. Überall würde solch ein Bike als Machobike durchgehen, aber nicht hier. Es sollte ja für eine Frau sein.
Ein gefederter Rahmen kam nicht in Frage – zumindest nicht für Magnus
„Ich hatte ja an einen gefederten Rahmen gedacht,“ erzählte Helen weiter, „doch Magnus bekam fast einen Anfall, als ich davon sprach. Wir einigten uns dann auf einen gefederten Sitz. Der funktioniert besser, als ich anfangs dachte.“

Calles Chopperdelar arbeitet eng mit Allesandro Pacelli von Kustom Tech in Florenz zusammen. So wurden einige seiner handgefertigten Produkte an Helens Bike verbaut. Unter anderem die Fußrastenanlage und die Bremszangen. Bengt hielt sich weitgehend an die Vorgaben seiner Auftraggeber, brachte aber auch eigene Ideen ein.
Das Zündschloss funktioniert wie bei einem Auto – mit Schlüsseldrehen
So stammte die Idee für Lenker- und Fenderform ebenso von ihm wie das elegant neben dem Sitz platzierte Zündschloss. Es funktioniert wie bei einem Auto mit Schlüsseldrehen und spart so einen Startknopf am Lenker. Lange musste Helen warten, die halbe Saison war schon vorbei, da kam endlich der Anruf aus Moheda.

Das Bike hatte den Test-Run bestanden und war abholbereit. Die erste Tour führte Helen gleich auf die große Bikeshow des Bengalos MC. Dort gewann sie damit den zweiten Platz in der Chopper-Klasse. Das Bike wird meist für Fahrten zu Partys oder zum entspannten Cruisen am Wochenende genutzt. Für längere Reisen fehlt dem Paar die nötige Zeit. Das Geschäft und die drei heranwachsenden Kinder lassen nicht viel Raum für andere Dinge.
„Mama, wirst Du Dich auch ausziehen und im winzigen Bikini auf deinem Bike posen?“
Doch die beiden freuen sich auch über die kleinen Dinge des Alltags. So fragte Isa, Helens achtjährige Tochter, als sie hörte, dass wir ein paar Fotos für ein Bikermagazin machen wollten, ihre Mutter: „Mama, wirst Du Dich auch ausziehen und im winzigen Bikini auf deinem Bike posen?“ Offensichtlich bringt Magnus wohl doch zu viele Biker-Hefte mit nach Hause.













