Oldschooler müssen nicht unbedingt aussehen wie Scheunenfunde. Wie es auch poppig geht, zeigt dieser Shovelhead Chopper
Fantasie und Fleiß sind äußerst hilfreich, wenn man im Custombike-Geschäft erfolgreich sein will. Wenn dann noch Stil, Geschmack und handwerkliches Geschick dazu kommen, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Einer, der all die oben genannten Eigenschaften besitzt, ist Nick Genender, Gründer und Chef von New York City Choppers.
Ein Shovelhead Chopper als Nabelschau für eigene Parts
Nick ist kein Fließband-Customizer. Er baut Einzelstücke. Und nicht selten finden dann „One-of“-Teile, die er für ein bestimmtes Projekt erdacht und gebaut hat, so viel Anklang in der Szene, dass er sie in sein Produktportfolio aufnimmt.

Überhaupt machen die meisten bekannteren Customizer ihr Geld nicht mehr hauptsächlich durch den Verkauf von fertigen Bike-Aufbauten. Nicht wenige dieser Bikes dienen auf den großen Shows zur perfekten Nabelschau, zum Herzeigen von neu entwickelten Baugruppen. In die von ihm so benannte „Speedster“ hat Nick Genender alles reingepackt, was ihm an eigenen Parts wichtig ist.
Der Tank zitiert die alten Triumph-Bonneville-Behälter
„Ich wollte ein oldstyligen Bike bauen, das nicht zu radikal daherkommt. Vor allem der Tank war mir wichtig. Den habe ich schon einiger Zeit entwickelt. Mit den starken Knieschlusseinbuchtungen zitiert er den Look der alten Triumph-Bonneville-Behälter.

Dazu passend können wir mehrere verschiedene Handschaltungs-Sets anbieten.“ Er ist so bescheiden, der gute Nick. Eindeutig zu bescheiden! Mit keinem Wort erwähnt er, dass auch der komplette Rahmen, die filigrane Springergabel und auch sonst fast alles an dem Bike aus seiner Firma stammen.
Eine 1600er Shovelhead von S&S befeuert den Speedster Chopper
Lediglich in Sachen Antrieb und den Bremsen gibt es für den gebürtigen New Yorker keine Spielereien und keine Kompromisse. Ein 1600er S&S-V2 im Shovelstyle sorgt für sehr ordentlichen Vortrieb und die PM-Einkolbenzange verzögert die Speedster allemal besser als eine olle Trommel.

Egal, wo wir ihn bisher trafen: Die Motorräder liefen stets auf den ersten Kick – einwandfrei und alltagstauglich. Trailer-Queens sind dem Praktiker ein Greuel. Deshalb verbaut er auch in der Regel Scheibenbremsen, auch wenn diese nicht immer perfekt in das altvordere Designbild passen.
Nicks Kunden sind Großstädter, die brauchen halbwegs ordentliche Bremsen
„Du weißt, ich baue ‚Runner‘. Was nutzt meinen Kunden die schönste Simplex-Trommel, wenn auf sie in echten Gefahrensituationen kein Verlass ist. Viele meiner Kunden sind Städter, Großstädter, um genau zu sein.

Die müssen in dem völlig kranken Verkehr dieser Multimillionenstadt mitschwimmen können, und zwar sicher“, erklärt Nick. Dazu passt das Baker-Reverse-Getriebe, bei dem der Leerlauf nicht zwischen dem ersten und zweiten Gang sitzt, sondern ganz unten. Alle Gänge liegen schaltschematisch gesehen darüber. „0-down all-up“ nennt Baker dieses Schema.
Bobber oder Chopper? Ach, irgendwie … egal!
In Sturgis gab es für Nick die verdiente Belohnung: Die blitzsaubere Speedster wurde auf der prestigeträchtigen Bike Show Sieger der Bobber-Klasse. Glückwunsch, wenngleich die Speedster für uns eher Chopper als Bobber ist. Aber das ist ja auch irgendwie egal. Ein cooles Bike ist ein cooles Bike.















