Als Customizer-Legende Cyril Huze im Jahr 2018 verstarb, traf das die Bike-Szene wie ein Schlag. Hier möchten wir nochmal eines seiner Bikes vorstellen – genau Hinschauen lohnt. 

„Ich will ein Bike mit Texas-Akzent. Ein Top-Bike, schnell wie ein Gewitterblitz im Juli, heiß wie unser Asphalt im Hochsommer!“. Der Anruf kam aus Texas. Es war nicht J.R. Ewing aus Dallas und es war auch nicht George Doublejuh Bush von seiner Ranch in Crawford.

Hauseigener CHC Stray Kat 250 RSD

Bob Prince hieß der Mann, der sich bei dem Franko-Amerikaner Cyril Huze meldete. „Hey Cyril, ich möchte, daß Sie mir einen Chopper bauen, ein richtig heftiges Gerät. Ich komm‘ rüber nach Florida. Wir müssen reden.“

Gesagt getan

Zwei Tage später traf der Texaner auf dem Palm Beach Airport ein. Cyril holte ihn ab. Er hatte extra für den Gast seine Cowboy-Stiefel aus Schlangenleder angezogen. Normalerweise trägt er die in Florida nie, bei der Hitze und der hohen Luftfeuchte braucht man wahrlich keine Stiefel. Am Flughafen hatte Cyril keine Probleme, Bob in der Menge der Passagiere herauszufinden, denn die Gürtelschnalle, die der Texaner trug, war größer als anderer Leute Brieftasche.

Ein Breitreifen hinten war kein Problem: In Bobs Heimat fährt man viel geradeaus

„Ich baue keine billigen Bikes“

Auf der Fahrt in den Shop überraschten sich die beiden dann gegenseitig mit jeweils guten Ortskenntnissen. Es stellte sich heraus, daß Bob die französische Hauptstadt Paris (Cyrils Heimat) sehr gut kennt, und Cyril wiederum war schon oft in Texas unterwegs. Als Bob dann offenbarte, daß er im Ölbusiness sei und für Exxon arbeite, scherzte Cyril: „Hoffentlich haben Sie genügend Petro-Dollars in Ihren Taschen, denn was ich nicht tue, ist, billige Bikes zu bauen“. Bob Prince lachte herzlich und meinte: „Seien Sie beruhigt, am Geld wird nicht’s scheitern.“ Sowas hören Customizer natürlich besonders gerne.

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Die Grunddaten für den Chopper waren schnell festgelegt. Basis sollte Cyrils hauseigener Chopper-Rahmen aus der Baureihe „Stray Kat“ werden. Ein 250er Reifen durfte hinten drauf, denn in Bobs Heimat fährt man viel geradeaus, da macht die breite Socke keine Schwierigkeiten. Aus Balance-Gründen verbaut der Top-Customizer Reifenbreiten über 240 grundsätzlich mit einem Right Side Drive-Getriebe, denn wegen des Reifen muß der Primär so weit raus, daß ein rechtsseitiger Sekundärtrieb der Balance des Bikes außerordentlich gut tut.

Kein pseudotouristischer Folklorekram

Für ordentlich Bumms sorgt ein über zwei Liter großer V2 von TP Engineering. Als Lackierung schlug Cyril vor, daß die Farbe irgendwie an Öl erinnern sollte. Deshalb kamen die beiden überein, daß die Grundfarbe ein Kupferton sein sollte und irgendwie noch Conchos ins Spiel gebracht werden sollten. „Mehr darf nicht sein“, sagte Cyril, „was mit mir nicht zu machen ist, sind diese ewigen Texas-Stereotypen wie Lenkerhälften aus Kuhhörnern, aufmontierte Kuhschädel, Cowboyhüte und dieser ganze pseudotouristische Folklorekram.“

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Bob lachte: „Schon gut, ich weiß, Sie sind Cyril Huze, nicht Orange County Choppers. Es geht mir ja um ein Cyril Huze-Bike, sonst hätte ich ja gleich nach New York zu den Teutuls fliegen können.“ Von da an war alles geklärt und die beiden wurden gute Freunde.

 

 

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