Die Firma Confederate – heute unter dem Namen Combat Motors tätig – baute dereinst mit der „Wraith“ einen ultimativen V2-Hammer. Ein skulpturgewordenes Statement, gleichsam Symbiose aus Kunst und Technik.

Der gebogene Zentralrohrrahmen ist schon seit Jahren das Erkennungszeichen der Bikes von Confederate beziehungsweise Combat Motors. Hinzu kommen viel Carbon, viel Asymmetrie – mit der hier gezeigten „Wraith“ reduzierten die Bikebuilder ihren ureigenen Stil nochmals auf das Allerwesentlichste.

Die Parallelogramm-Gabel ist ein Verbund aus Carbon, einlaminierten Aluminiumbuchsen und Alu-Schwingarmen

Der Designer hinter diesem vielleicht außergewöhnlichsten Motorrad-Projekt weltweit heißt J.T. Nesbitt. Nesbitt hat die schönen Künste studiert, ist aber ein total angefressener Motorradfreak. „Ich habe enormen Respekt vor J.T’s Talent,“ so Matt Chambers, der Gründer und Boss von Confederate. „Der Junge ist ein Genie, und er hat Ideen auf Lager, auf die noch kein Mensch vor ihm gekommen ist. Man denke nur an die Schwinge als Auspuff, wie an der Hellcat verwirklicht.

Confederate Wraith

Und das Tollste ist, er ist nicht nur ein verdammt guter Designer, nein, er kann seine Ideen sogar selbst technisch umzusetzen. J.T. kann fräsen, drehen und schweißen wie jeder andere hier. Das ist wirklich sehr selten anzutreffen bei solchen Schöngeistern,“ ist Chambers froh.

Auch in Bonneville eine gute Figur

131 Meilen pro Stunde (211 km/h) schaffte der Prototyp

Nesbitt startete das „Wraith“-Projekt im Jahr 2002. Zuerst fertigte er ein 1:10-Modell, dann ging er in die Vollen. Der erste fertige, fahrbare Prototyp war mit einem 1640 ccm großen S&S-Motor bestückt. Er hatte sein Roll out im September 2004. Diesen Prototypen packten die Jungs in den Transporter, fuhren zu den Bonneville-Salzseen in Utah und machten Geschwindigkeitstests.

131 Meilen pro Stunde (211 km/h) schaffte der Prototyp. Das war sehr vielversprechend und bald schon fiel die Entscheidung, die „Wraith“ in einer Kleinserie zu bauen: Man mag es angesichts der hier gezeigten Bilder kaum glauben – die „Wraith“ ist ein fahrfertiges, funktionsfähiges Motorrad. Die beiden optisch bei weitem auffälligsten Bauelemente sind das konvex gebogene, 100 Millimeter dicke Zentralrohr und die mächtig wirkende Parallelogramm-Gabel vorne.

Carbon und nur 180 Kilo trocken

Das sehr steife Zentralrohr nimmt am hinteren Ende den größten Teil des Monoshock-Federbeins in sich auf. Die Schwingenlagerung ist einem hängenden Unterrahmen-Körper aus Carbonfaser untergebracht. In ihm versteckt sich auch der Tank, der Öltank, die Trockensumpfschmierung und die Auspuffanlage. Die aufwendige Gabel ist ein Konstrukt aus CNC-gefrästen Aluminium-Mehrfachlenkern und Seitenteilen aus Karbonfaser. Sieht mächtig schwer aus, ist es aber wegen der günstigen spezifischen Gewichte der verwendeten Werkstoffe überhaupt nicht!

Kurz und knackig: So kurz kann ein Primärtrieb sein

Das Gesamtkunstwerk „Wraith“ wiegt ganze 180 Kilo trocken. Die Schwinge stammt vom britischen Spezialisten Metmachex, die Bremsen vom deutschen Brake-Guru Spiegler. Der Motor wurde nach den Spezifikationen von Confederate von der Firma Revolution Performance gefertigt.

140 Nm bringt die Confederate Wraith

Der 1490 ccm große V2 ist – und das ist sehr selten im US-Big Twin-Geschäft – kurzhubig ausgelegt und betätigt seine Ventile über vier Nockenwellen. 8000 Umdrehungen sind so drin, seine Leistung von 125 SAE-PS gibt der Schlegel aber bereits bei 7200 ab. Glaubhaft bärige 140 Nm Drehmoment bei 4200 U/mins versprach der Hersteller.

Einfach und hammerhart: Kippschalter tun’s doch auch

Wer sich heute für die Bikes von J.B. Nesbitt interessiert, kann sich bei www.combatmotors.com umschauen. Hier findet sich auch die Nachfolgerin „Combat Wraith“ im Programm.