Bei manchen Alltagsgegenständen kann man Schein und Sein sehr schlecht auseinanderdividieren. Schon gar nicht, wenn es sich um ein Benzinbehältnis handelt. Zweimal hingucken muss man jedenfalls bei dieser Buell XB12R im HogTech-Rahmen.

„Wow, Wahnsinn. Wer hat diesen phänomenalen Lack in Holzoptik hinbekommen?“, ist die Frage, die Mikael Ekeberg oft gestellt wird. Doch die Antwort verblüfft dann jedes Mal: „Tank und Fender sind aus echtem Mahagoni gemacht!“ Häh, wie das denn?

HogTech kann nicht nur Langgabler

Mikael hat seine Zweiradkarriere als junger Kerl auf japanischen Superbikes begonnen. Der große Umbruch im Denken kam erst 2009, als ihn ein Freund dazu überredete, mit nach Daytona Beach zur Bike Week zu kommen. „Das war so cool, in der Main Street rumzuhängen, Bier zu trinken und all die verschiedenen Bikes und Menschen zu betrachten. Erst dort begann ich, an einen V2 für mich zu denken“, erzählt der Mann aus Karlstad. „Aber es war klar, es musste etwas sein mit der Geometrie und dem Fahrwerks-Setup eines Sport-Bikes.

Buell XB12R im HogTech-Rahmen

Auf dem Gebrauchtteilemarkt besorgte er sich den Motor einer Buell XB12R, die Gabel einer Suzuki GSX-R und ein paar superfeine Schmiederäder der Manufaktur „Carrozzeria“ aus Kalifornien. Was ihm jetzt noch fehlte, war ein passender Rahmen samt Schwinge. Die Buell „Blast“-Modelle hatten ihn inspiriert, jene Einzylinder, die mit einem Einschleifen-Rohrrahmen ausgestattet waren und ihren Ölvorrat im oberen Rahmenrohr bunkerten.

Was nach Holz aussieht, ist auch welches – echtes Mahagoni!

Genau dieses Prinzip wollte Mikael auch. Bei Hogtech ließ er sich ein solches Fahrwerk bauen und schweißte dann selbst einen Hahn an den untersten Teil des gebogenen Oberrohrs, über den er das System in Windeseile befüllen oder auch entleeren kann. Doch in den Rahmen passt nicht genug Öl. Deshalb schaltete Mikael noch einen Zusatzöltank vor, den er links unten vor dem Motor platzierte.

Sieben Schichten Klarlack

„Die Nummer mit dem Holz war für mich als Profi-Schreiner selbstverständlich. Durch meinen Beruf gibt es keine Technik der Holzverarbeitung, die ich nicht kenne“, klärt der Schwede uns auf. Den Tank setzte er in einem mühevollen Puzzle aus tausenden nur zwei Millimeter dicken, fünf Millimeter hohen und etwa 12 Zentimeter langen Mahagoni-Streifen zusammen.

Da im Rahmenrohr mit Ablasshahn nicht die komplette Ölmenge Platz fand, war ein zusätzlicher Öltank nötig

Als alles fertig war, bekam der Tank seinen Schliff und dann nicht weniger als sieben Schichten Klarlack. Zur Beruhigung: Die flüchtige brennbare Brühe schwappt nicht wirklich in dem Holzgefäß. Unter dem Holz verbirgt sich ein 7-Liter-Tank aus Karbonfasermatten. Der Heckfender aus Mahagoni entstand auf die gleiche Weise. Und weil er die ganze Einspritzelektronik samt Benzinpumpe, dem dafür nötigen Sensoren-Wirrwarr und Kabel-Overkill loswerden wollte, rüstete er den XB12-Motor auf Vergaser um. Dazu kamen noch die Bremsen und Fußrasten einer Hayabusa, Handarmaturen von Magura und ein Sitz im Stile deutscher Motorräder der 20er Jahre.

Der Auspuff ist erstmal noch Serie …

Um keinen Ärger mit den Zulassungsbehörden zu bekommen, verbaute der Schwede zunächst einmal den völlig serienmäßigen Auspufftopf der Buell. „Ein bisschen besser könnte sie schon klingen, aber früher oder später kommt das auch noch“, klärt er auf. Und wenn Mikael mal längere Reisen machen will, schraubt er einfach einen 13,5 Liter fassenden Zusatztank von Moon auf das „Holztank“-Cover. Definitiv ein Mann, der sehr wohltuend völlig anders tickt als die meisten anderen.

 

 

 

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