Wer auf den ersten Blick glaubt zu wissen, dass es sich hier schlicht um eine Buell XB 12 handelt, täuscht sich gewaltig.

Sven, der Erbauer und Besitzer dieses Bikes, ist Sachse und nahe der Grenze zu Brandenburg geboren und aufgewachsen. In dem 80-Seelen-Ort, in dem er wohnte, ging nicht gerade die Post ab. Also war er stets mit von der Partie, wenn sein großer Bruder sich zwecks optischer Optimierung an Fahrrädern zu schaffen machte. Seine ersten Erfahrungen mit motorisierten Zweirädern machte Sven auf den Volksmopeds Simson SR1 und SR2, später folgten die Modelle Simson Spatz, Star und Schwalbe. Darauf folgten Jawa, RT 125, MZ und alles, was einen Motor hatte.

Tolle Ausnahme-Buell

Mit 16 hatte Sven seinen Mopedführerschein und machte fortan mit einer Simson S50 mit gekürzter Gabel, M-Lenker, nach oben gebogenem Heckrahmen, hoch verlegtem Auspuff und Eigenbau-Hinterradabdeckung die Gegend unsicher; diese S50 besaß die längere Schwinge aus einer Schwalbe und die verstellbaren Stoßdämpfern aus einer MZ.

Tausche Supersportler gegen Hausbau

Dann war zunächst eine ganze Weile Schluss mit Schrauben. Ausbildung zum Gas-Wasser-Installateur, vier Jahre Zeitsoldat, Auszug aus dem Elternhaus in eine eigene Wohnung, Sven war nicht mehr nach Schrauben zumute. Erst im Jahr 2003 kaufte er sich wieder ein Zweirad, eine Kawasaki ZX6R. Doch ziemlich schnell merkte er, dass solch ein Supersportler nichts für ihn war. Die Kawa wurde verkauft, das Geld konnte er für den gerade begonnenen Hausbau besser gebrauchen.

Spiegel von FAR Viper

Erst 2008 war seine Finanzlage wieder so entspannt, dass er erneut an Motorräder dachte. Kaum eine Marke, die er nicht Probe fuhr, aber Klick gemacht hat es dann schließlich beim Harley-Händler in Radebeul; dort kam er leibhaftig in Berührung mit der Marke Buell.

Erst bei einer Buell machte es Klick

Als Sven das erste Mal auf den Starterknopf einer Buell XB 12 drückte und das 1200er V2-Tier schüttelnd im Rahmen erwachte, war es um den Sachsen geschehen. Das war es! Er war angekommen!! Eine „Fuelframe“-Buell musste her. Aus Kostengründen griff er zunächst zu einer gebrauchten XB9, die er über die Jahre stetig modifizierte. Ab diesem Zeitpunkt kam Sven nicht mehr von Buell los, im Gegenteil, es werden immer mehr statt weniger Exemplare, die seine Garage bevölkern.

Das „C“ gab es so von Buell nicht, es steht für Custom

Erst 2014 stand ihm der Sinn nach mehr Druck und Power: Das Stichwort lautete XB12. Doch Sven kaufte nicht etwa ganz profan eine XB12, sondern plante stattdessen, einen 1200er-Motor in seine geliebte 9er zu transplantieren. Als Teilespender wurde eine 12er Firebolt aus den USA besorgt. Diese wurde zerlegt und stückchenweise verkauft. Das Dumme daran: Irgend jemand bot so viel für den Motor, dass Sven auch diesen verkaufte. Also war Essig mit seinem eigenen motorischen Upgrade.

Eine Rotax-Buell-Verkleidung soll auf die Buell XB 12

Erst im Winter 2015 stieß er durch Zufall auf ein unvollendetes Umbauprojekt und kaufte es. Anfang Dezember traf er auf der Messe CUSTOMBIKE in Bad Salzuflen auf Speed-of-Color-Chef Jens Großmann. Dem erzählte er von seinem Plan, Jens’ Verkleidung für eine Rotax-Buell auf eine XB zu bauen. Jens Großmann staunte nicht schlecht, denn er wusste von den Schwierigkeiten, die auf Sven zukommen würden. Er wünschte ihm viel Erfolg. Noch im selben Monat bestellte Sven die Verkleidung bei Speed of Color, die pünktlich an Heiligabend 2015 geliefert wurde.

Pulley von Rizoma

Knapp anderthalb Jahren später war sie dann dran, die Verkleidung. Die größte, fast unlösbare Aufgabe war es, die Verkleidung entkoppelt vom Motor zu befestigen. Zur Erklärung: Bei den 1125er Rotax-Buells ist der Motor starr mit dem Rahmen verschraubt, in der XB hingegen hängt er frei im Rahmen und schwingt bis knapp einen Zentimeter in seiner patentierten Uniplanar-Motoraufhängung.

Sisyphus lässt grüßen

Das bedeutete, Sven brauchte eine Art Bügel unten unter dem Motor herum, um dem Bugspoiler hinten abzustützen. Das allerdings funktionierte nur mit einer Rastenanlage von Rizoma, da sich an deren Trägerplatte Befestigungsmöglichkeiten boten, an dem Sven den per Laser ausgeschnittenen Bügel anbringen konnte. Es war eine Sisyphusarbeit, mittels eines Handbiegeapparats die Halter um Krümmer, Ölkühler und Filter aus Edelstahlrohr zu biegen und zwar so, dass man auch an alle Anbauteile am Motor gelangt.

Instrumente von Koso

Davor musste aber erst einmal die vordere Befestigung der originalen Lufthutzen der 1125er bewältigt werden. Hierfür wurden Streben aus Flachstahl gefertigt, welche an den originalen Hilfsrahmen der Buell XB geschweißt wurden. All das irgendwie nur mit hinhalten und heften, und wieder abtrennen und neu machen und nochmal nachbiegen, bis der erste Halter so saß, dass man zumindest die Hutzen mittels einer Schraube anschrauben konnte.

Mit dem Auspuff ging es los

Ganz am Anfang musste der Auspuff festgelegt werden, der später verbaut werden sollte, weil der die Position der Verkleidung mitbestimmt. Es gab Zeiten, da lagen fünf verschiedene Schalldämpfer in Svens Werkstatt, schließlich musste er testen, welcher klein genug ist, sich aber geil anhört,  und dazu noch die Möglichkeit bietet, das Endrohr im legalen Bereich so zu verändern, um die Abgase optisch geschickt aus der Verkleidung herausschicken zu können.

Machte richtig viel Arbeit: Rücklichteinbau einer Yamaha R!

Viel Arbeit steckt auch in der Adaption des Rücklichts einer Yamaha R1. Da es vom Gehäuse zu lang war und nicht mehr in das Undertray passte, wurde das kurzerhand gekürzt und der originale Heckeinsatz verlängert und an die Form des Rücklicht angepasst. Dabei musste allerdings auch die Sitzbankverriegelung weichen.

Geiler als auf dem Entwurf

Die Sitzbank, die von Firma Grip Gear in Belgien stammt, ist nun mittels Inbusschraube mittig am Heck gehaltert. Das Rücklicht war auch der Grund dafür, dass das Nummernschild seinen ursprünglichen Platz verlassen musste und nun mittig vor dem Hinterrad sitzt. Das Kennzeichen sitzt auf einem Side-Arm-Halter von Rizoma, der ursprünglich seinen Dienst an einer Ducati Monster verrichtete. Dessen Halter am Schwingenende wurde in Eigenbau gefertigt und an die längere Schwinge einer Buell XB12 Ulysses angepasst. Dazu kamen noch andere Fender und Spiegel.

Der kurze Rahmen stammt von einer Buell X1

Während der ganzen Umbauphase wurde Sven immer wieder gefragt, welches Lackdesign die Maschine bekommen sollte. Letztendlich wurde er fündig in Liechtenstein beim Designer René Scherübl. Der machte drei Entwürfe, einer davon wurde verwirklicht. Und das Beste daran: In echt sah das Bike noch viel geiler aus als auf dem Entwurf.

 

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